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von Jörn-Christoph Jansen

Nachdem es hier immer viele Berichte gibt, die einen runzeln lassen, nun mal etwas ganz anderes. Seit 2009 bin ich als Schiedsrichter Teil der Internationalen Jury der WARNEMÜNDER WOCHE. Vom ersten Tag an war Gode Sevecke (Hamburg) Vorsitzender und damit Chairman der Internationalen Jury. Im März 2015 wurde entschieden, dass ich seine Nachfolge nach der 78. WARNEMÜNDER WOCHE 2015 antreten werde. ‚Chairman‘ heißt es im Übrigen nur bei Internationalen Jurys – dazu später mehr.

Meine erste WARNEMÜNDER WOCHE als Chairman liegt nun also hinter mir. Genau genommen handelte es sich um elf Tage Warnemünde, obgleich die WARNEMÜNDER WOCHE eigentlich von 02. bis 09. Juli 2016 dauerte – neun Tage also.

Die Vorbereitungen für die 79. WARNEMÜNDER WOCHE 2016 begannen bereits während und kurz nach der 78. Auflage 2015. Zunächst galt es Schiedsrichter aus dem Ausland einzuladen, um die Jury international werden zu lassen. International ist ein Schiedsgericht – und dann heißt es Jury – nur, wenn mindestens drei Nationen im fünfköpfigen Schiedsgericht vertreten sind, wobei die Mehrheit internationale Schiedsrichter (International Judges – kurz IJ) sein müssen. Außerdem dürfen von einer Nation höchstens zwei Schiedsrichter dem Schiedsgericht angehören.
Weil man nicht irgendwelche Schiedsrichter anschreiben kann, muss man genau überlegen, wer ins Team passt, auf die Reisekosten achten und natürlich auf Nationalitäten. Hinzu kam, dass es gelingen musste, Schiedsrichter zu finden, die auch für die Europameisterschaft der Starbootklasse (12.-17.07.2016) in Warnemünde bleiben konnten.

Nachdem ich einige Schiedsrichter angeschrieben habe und auch die eine oder andere Absage – wegen Parallelveranstaltungen – bekam, war die Jury komplett, die in diesem Jahr aus 13 Schiedsrichtern aus sieben Nationen bestand. Mit Jens Villumsen (IJ, DEN), Peter Copper (IJ, NED), Hans Vengberg (IJ, DEN) und Siegfried Uecker (IJ, GER) kehrten alte Bekannte zurück, die 2015 nicht dabei waren. Ich musste feststellen, dass gerade junge Schiedsrichter aus dem Ausland nur schwer zu bekommen sind. Familiengründung, Beruf und begrenzter Urlaub sind nur einige Gründe. Gerne hätte ich einen schwedischen Schiedsrichter eingeladen, aber das klappte nicht. Mit Sylvie Harlé (IJ, FRA) und Stephen Procter (IJ, GBR) waren zwei Schiedsrichter zum ersten Mal dabei. Als Stellvertreter und Vice-Chairman stand mit Dr. Rainer Kornfeld (IJ, AUT) ein ehemaliger Präsident des Österreichischen Seglerverbandes an meiner Seite.

Komplettiert wurde die Jury von den deutschen nationalen Schiedsrichtern (National Judges – kurz NJ) Olaf Wulf, Stefan Ibold, Max Käther, Utz Müller – und mir. Kurz von Schluss kam mit Filip Moczorodynski (NJ) ein junger Schiedsrichter aus Polen hinzu. Dass ein nationaler Schiedsrichter die Leitung der Internationalen Jury innehat, ist ungewöhnlich, aber möglich.

Nachdem mit Hilfe von Nicole Bruns alle Quartiere besorgt waren, Konfektionsgrößen, Anreise- und Abreisedaten erfragt waren, konnte es losgehen. Ach ja, mindestens drei Wochenenden mit Organisationstreffen gab es zwischendurch auch noch.

Bereits am Donnerstag, 30. Juni 2016 war ich vor Ort. Es standen noch zahlreiche Vorbereitungen an: Juryräume auf Hohe Düne und Mittelmole ausstatten, Aushänge machen, Juryboote übernehmen und präparieren und und und … Weil all das nicht alleine geht, hatte ich glücklicherweise Unterstützung von Olaf, Max und Utz, ohne die es nicht gegangen wäre.

Nachdem im Laufe des Freitags alle Schiedsrichter eingetroffen waren, ging es endlich los. Freitag allerdings nur mit einem ersten Kennenlernen. Den weitesten Anreiseweg hatte übrigens Sylvie Harlé, die Donnerstag aus Rio de Janeiro über Paris und Köln nach Rostock-Laage geflogen war. Sie lebt eigentlich in der Karibik. Zu allem Überfluss kam ihr Gepäck erst am Montag an; es war zwischen Köln und Laage „verloren“ gegangen.

Ein typischen Jurytag sind für mich dann so aus:
Um 08.00 Uhr ist die große Lagebesprechung angesetzt. Der Principal Race Officer (PRO – Hauptwettfahrtleiter) Peter Ramcke leitet dieses Meeting. Zunächst empfangen wir einen ausführlichen Livewetterbericht vom DWD. Anschließend werden die Entscheidungen getroffen, welche Bootsklasse segelt oder ob ggf. Starts verschoben werden. Auch wird bekannt gegeben, ob wegen Gewitterwarnungen weniger Wettfahrten als geplant gesegelt werden. Nachdem jeder in der Runde zu Wort gekommen ist, geht es los. Für mich ist nun erstmal Frühstück im großen Zelt angesetzt. Gemeinsam mit Rainer Kornfeld treffe ich hier auch erstmals die anderen Schiedsrichter.

Um 09.30 Uhr haben wir dann das Jurymeeting mit allen Schiedsrichtern im Verhandlungsraum. Ich durfte diese Sitzungen nun nach acht Jahren des Zuschauens leiten. Die Amtssprache innerhalb der Jury ist Englisch. Ich gebe einen kurzen Einblick in den Wetterbericht, den ich allerdings mit Hilfe von WhatsApp bereits an alle Schiedsrichter versandt habe. Anschließend werden die Schiedsrichter auf die verschiedenen Bahnen verteilt. Vor Warnemünde gibt es acht feste Bahnen die mit ‚Alpha‘ bis ‚Hotel‘ bezeichnet werden. Zudem gibt es eine Medienbahn (M). Es fahren immer zwei Schiedsrichter zusammen. Von Tag zu Tag wechseln die Paarungen und die Schiedsrichter wechseln die Bahngebiete, sodass die Bootsklassen möglichst viele verschiedene Schiedsrichter bekommen. Gibt es große Klassenfelder wie beim Europacup der Laser, schiedsen hier mindestens zwei, oft auch drei Schiedsrichterpaare. Wer wo genau auf dem Kurs schiedst, wird auf dem Wasser besprochen. Auch hier gibt es klare Absprachen, um das gesamte Gebiet abzudecken.  Im Meeting bekommen alle Schiedsrichter auch die Mitteilung, welche Klasse wie viele Wettfahrten plant, ob Siegerehrungen stattfinden usw. Am Ende des Meetings empfangen wir unsere Lunchpakete, die Olaf seit 24 Jahren jeden Morgen besorgt.

Mindestens 30 Minuten vor dem Ankündigungssignal fahren die Schiedsrichter auf die Kurse, wo sie sich beim Wettfahrtleiter anmelden und übrigens auch wieder nach den Wettfahrten abmelden. Auf dem Wasser wird im Wesentlichen unerlaubter Vortrieb (WR 42) geschiedst und mit gelben Flaggen bestraft. Im Übrigen werden strittige Szenen, die wir beobachten, auf Diktiergerät festgehalten. Auch Stift und wasserfestes Papier gehören zur festen Ausstattung, um Beobachtungen festzuhalten. Zum Protestieren sind die Schiedsrichter übriges nicht da. Dies bleibt im Wesentlichen auch dann den Teilnehmern überlassen, wenn Schiedsrichter einen Regelverstoß beobachten („Wir sind nicht die Polizei.“). Ausnahmen hiervon gibt es nur wenige. Dazu im nächsten Regelkundeseminar …

Anders als in den anderen Jahren, bin ich, wenn ich denn auf dem Wasser bin, mit dem Lagezentrum in ständigem Kontakt. Sind Wettfahrten auf Bahnen zu Ende, muss ich in Bereitschaft sein, ob wir eine Jury an Land brauchen. Aus 13 Schiedsrichtern lassen sich zwei Internationale Jury konstruieren – eine für Mittelmole (MM) und eine für Hohe Düne (HD). Mindestens ein Schiedsrichter fungiert dann als Assistent. Die jeweiligen Bahnschiedsrichter fahren übrigens mit den Klassen rein und eskortieren sie bei Gefahrenlagen in den Hafen.

Am späten Nachmittag sammeln wir uns dann wieder im Juryraum und es heißt für mich Kontakt mit den Wettfahrtbüros auf HD und der MM zu halten. Bei welcher Klasse endet die Protestfrist? Brauchen wir eine Jury auf der Hohen Düne? Gehen Proteste ein, müssen wir schnellstmöglich eine Verhandlung anberaumen und ich lege die Schiedsrichter fest, die die Verhandlungen übernehmen. In diesem Jahr haben wir zeitweise mit zwei Jurys parallel verhandeln können. Nicht immer bin ich dabei selbst in der Verhandlung. Sind alle Proteste verhandelt, alle Aushänge über die Entscheidungen gemacht und ist jede Menge Papierarbeit erledigt, ist Feierabend. Kein Schiedsrichter hat vor dem anderen Schluss. Erst dann darf überhaupt Alkohol getrunken werden. Mit ein bisschen Glück, bekommen wir im Zelt dann sogar noch ein Abendessen, was aber in diesem Jahr prima geklappt hat. Manchmal sieht man die eigenen Vereinsmitglieder, die mitsegeln, die Wettfahrtleitung der 2.4mR bilden oder anderswo helfen, nur hier – oder zum Frühstück.

Am nächsten Morgen geht es mit der Lagebesprechung um 08.00 Uhr wieder von vorne los …

Für den Chairman gibt es unter der Woche nebenbei viel zu organisieren. Sind die Juryboote in Ordnung? Wie werden die Fahrtkosten abgerechnet? Sind die Unterkünfte brauchbar? Zum Glück habe ich Hilfe, denn ich hatte noch zwei Bürotage mit Bauvertrags-, Vergabe- und Arbeitsrecht. Welch eine Umstellung!

Was am Ende der Woche bleibt, ist Müdigkeit und ganz viel Spaß. Viele Freunde sieht man nur hier einmal im Jahr. Auch das macht die WARNEMÜNDER WOCHE aus. Im nächsten Jahr werden Jens und Hans aus Dänemark, Peter aus den Niederlanden und Siegfried aus Berlin nicht (mehr) dabei sein (können). Aktuell suche ich also eine neue Jury zusammen. Erstmals werden wir Schiedsrichter aus Finnland und Belgien begrüßen dürfen. Es geht von vorne los …

Apropos von vorne: Für mich geht es Freitag nach der Arbeit wieder nach Warnemünde. Dann schiedse ich die Europameisterschaft der ehemaligen olympischen Bootsklasse der Stare. Hier stehen 44 Meldungen aus zwölf Nationen zu Buche. Dann ist Jos Spijkerman (IJ, NED) der Chairman. Ich habe noch ein Jahr Zeit.

Jörn-Christoph Jansen
- Chairman International Jury -

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