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"Hier zu gewinnen, ist das Größte überhaupt" Drucken
29.06.2010
Brandenburger Hegert / Bajon gewinnen „Silbernes Beil“ im 26. Anlauf
Am vergangenen Wochenende wurde auf dem Inselsee Güstrow mit dem Aussegeln des 54. „Silbernen Beils“ eine der beliebtesten und attraktivsten Piratenregatten Deutschlands durchgeführt. Die Regatta begann gleich mit einer Überraschung: Alle 56 Vorabmeldungen kamen und noch drei weitere Besatzungen reisten an. WVG‑Vorsitzender Peter Anders konnte also 59 Boote zur Eröffnung begrüßen. Die Meldezahl ist einmalig in der Piratenklasse in dieser Saison. Zum Vergleich: Zur 73. Warnemünder Woche haben 25 Boote gemeldet. Wie beliebt das Güstrower Segelrevier ist, unterstreicht auch die Tatsache, dass die Österreicher Walter Schaschl / Günter Fossler über 10 Stunden Autofahrt in Kauf nahmen, um einmal an dieser sagenumwobenen Regatta teilzunehmen. Schon das war dem veranstaltenden Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V. den Tankgutschein für die weiteste Anreise wert.

Bei Sonnenschein und Winden um 3 bis 4 Beaufort am Sonnabendvormittag wollte sich jeder in diesem starken Feld beweisen. Die Folge: Die ersten beiden Startversuche misslangen wegen Frühstarts des Feldes. Wettfahrtleiter Andreas Möller (WVG) zog also schon früh die gefürchtete schwarze Flagge. Jeder Verstoß in der Vorstartphase führt dann zur Disqualifikation. Unter diesen verschärften Bedingungen gelang der dritte Startversuch und auch die Favoriten gingen auf den Parcours. Unter ihnen der Vizeeuropameister Marko Anderssohn (Cottbus) mit Refa-Maria Jacobs an der Vorschot, die Eurodritten Detlef Hegert / Oliver Bajon (Brandenburg), die Landesmeister 2008 und 2009 Bernd Höft und Burkard Rieck (Rostock), die Landesmeister 2010 und Rekordsieger Ines Pingel / Thomas Heldt (Teterow) sowie die Titelverteidiger Peter Anders / Peter Bark vom WVG, die 2008 und 2009 das Silberne Beil gewannen.

Eben jene Titelverteidiger begannen, wie sie im Vorjahr aufgehört hatten: Sie gewannen die erste Wettfahrt vor den Überraschungszweiten Jens Bauditz / Susanne Thiel (WVG). Dritter wurden Höft / Rieck vor Hegert / Bajon. Auf einem guten 5. Platz landete Altmeister Carsten Jansen mit Vorschoter Tilo Maaß vor Anderssohn / Jacobs. Was für ein Auftakt mit drei WVG-Crews unter den ersten Fünf und der Chance auf den Hattrick für Anders / Bark. Überraschend kamen Pingel / Heldt nur als 19. ins Ziel. Direkt dahinter folgten Schaschl / Fossler vom Wiener Yachtclub, die mit den drehenden Winden um bis zu 60° zu kämpfen hatten.

Die zweite Wettfahrt führten lange die Wahlgüstrower Peter Merten / Jörgen Mohns an, ehe sie zum Ende von den Rostockern Höft / Rieck und auch Hegert / Bajon abgefangen wurden. Wiederum auf Platz 5 fanden sich in guter Form Jansen / Maaß wieder, die nur knapp vor Pingel / Heldt ins Ziel kamen. Dazwischen schoben sich Kai Köhler und Pascal Trunsch (Schleswig-Holstein), die gerade erst den begehrten Piratenpreis auf dem Steinhuder Meer gewannen. Die Sieger der ersten Wettfahrt Anders / Bark wurden nur Zwölfter. Der Traum vom dritten Gesamtsieg in Folge war in Gefahr, aber noch möglich.

Die dritte und letzte Tageswettfahrt wurde um ein olympisches Dreieck verlängert. In der kurzen Pause hatten sich Jansen / Maaß wohl am besten ausgeruht und führten plötzlich vor Pingel / Heldt an der ersten Tonne. Ein packender Zweikampf um den Sieg entbrannte, den letztlich die erfahrenen ehemaligen Weltmeister Pingel / Heldt für sich entschieden. Letztlich wurden Jansen / Maaß bis zum Ziel auch noch von Hegert / Bajon überholt. Allein deshalb führten die Brandenburger am Abend in der Gesamtwertung mit den Plätzen, 2, 4 und 2 mit insgesamt 8 Punkten vor Höft / Rieck, die nach den Plätzen 3, 1 und 5 auf 9 Punkte in der Gesamtwertung kamen. Dahinter folgte auf Platz 3 Jansen / Maaß, die mit 13 Punkten nicht mehr Gesamtsieger werden konnten. Nach einem 18. Platz in der dritten Wettfahrt war auch klar, dass Anders / Bark die Titelverteidigung nicht mehr gelingen konnte.

Die zwischenzeitliche Führung hat Detlef Hegert schon fünf Mal erlebt, doch immer gewann am Ende ein anderer. Nun führte er, der seit 1985 nunmehr im 26. Jahr zum Silbernen Beil reist, zum sechsten Mal. Würde er diesmal gewinnen? Der Wetterbericht für Sonntag versprach wenig bis gar kein Wind und bei vier Wettfahrten würde die schlechteste gestrichen, sodass Höft / Rieck leicht im Vorteil waren. Auch Pingel / Heldt konnten mit einem weiteren Tagessieg noch gewinnen.

Zum Leid der Segler präsentierte sich der Inselsee am Sonntagmorgen spiegelglatt. Der für 10.00 Uhr angesetzte Start wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach Studie des Wetterberichts wurde die Wettfahrtserie um 12.00 Uhr endgültig beendet. Das Zwischen- wurde zum Endergebnis und laute Jubelschreie brachen bei Detlef Hegert und Oliver Bajon aus. „Ich kann es gar nicht fassen. Hier zu gewinnen ist Größte überhaupt – neben dem Sieg bei der Deutschen Meisterschaft. Endlich darf ich einmal diesen Pokal mit nach Hause nehmen. Noch im letzten Jahr war ich punktgleich Zweiter. Ich bin einfach nur glücklich“, so ein überwältigter Detlef Hegert. Niemand im Feld versäumte es, den beiden sympathischen und immer bescheidenen Sportlern zu gratulieren, die schon im Oktober zum Nebelbeil wieder nach Güstrow kommen wollen.

Die geschlagenen Höft / Rieck konnten sich mit dem Preis der besten Starter trösten, den sie seit 2005 bereits zum vierten Mal gewinnen konnten, womit sie ihre Klasse einmal mehr unterstrichen. Den 111 Jahre alten Wilhelm-Jansen-Gedächtnispokal für den sonst so undankbaren 4. Platz sicherten sich Peter Merten / Jörgen Mohns bereits zum dritten Mal. Erfreulich, dass wieder sechs Jugendboote nach Güstrow kamen und auch sonst die Piratenklasse offensichtlich jünger wird. Für die Piratenfamilie, die an diesem Wochenende von 13 bis 77 Jahren reichte, geht es nun in zehn Tagen mit der Warnemünder Woche weiter, es folgen die Jugendeuropameisterschaft in Berlin und in der ersten Augustwoche der Saisonhöhepunkt mit der Deutschen Meisterschaft auf dem Ratzeburger See. Bei allen Ereignissen werden Güstrower Segler an den Start gehen.

Zum Schluss sei nochmals allen Sponsoren, Organisatoren und Helfern gedankt, ohne die die Durchführung dieser Veranstaltung auf einem solch hohen Niveau nicht möglich ist. Gemeinsam ließen alle den Tag beim Gucken des Spiels Deutschland gegen England ausklingen. Nicht nur das Fußballergebnis wird das Wochenende viele nicht so schnell vergessen lassen.
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