Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V., An den Bootshäusern 13, 18273 Güstrow info@wvg1928.de

Jugendpiraten bei Deutscher Meisterschaft und Junioreneuropameisterschaft

Paul Bachmeyer / Magnus Pentzlin (WVG) zahlen viel Lehrgeld bei Internationaler Deutschen Jugendmeisterschaft
Wer in diesen Tagen die Güstrower Jugendpiraten suchte, suchte vergebens am Inselsee. Die Sommerzeit ist auch Reisezeit – gerade zu den Meisterschaften. In der vergangenen Woche traten Paul Bachmeyer und Magnus Pentzlin die Reise zur Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft (IDJM) nach Borgwedel an, die der Segel-Verein Wedel-Schulau e.V. (SVWS) auf der Schlei ausrichtete. Der 17-jährige Paul Bachmeyer und der 16-jährige Magnus Pentzlin vertraten dabei als einzige die Farben des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Beide starteten für den Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V. (WVG). Viele weitere Jugendsegler erfüllen das Alterskriterium nicht mehr. Bei Deutschen Jugendmeisterschaften darf in diesem Jahr niemand starten, der vor 1993 geboren wurde.


Doch die Güstrower starteten in dem 29 Boote umfassenden Feld mit Verspätung, weil Paul Bachmeyer am ersten Tag noch am Mannschaftstriathlon in Hamburg teilnahm, wo er in seiner Altersklasse Platz zwei im Schwimmen belegte. Das Pech für die beiden war jedoch, dass an diesem ersten Wettfahrttag gleich drei Wettfahrten gesegelt wurden. Da Nichtstarter einen Punkt mehr bekommen als die Meldezahl, hatten die beiden nun gleich 90 Punkte, sodass im Prinzip jede Aussicht auf gute Platzierungen dahin war. Nur noch die Teilnahme war jetzt entscheidend. An diesem ersten Tag unterstrichen Johannes Zoller und Frieder Billerbeck vom gastgebenden SVWS, dessen Heimatrevier aber nicht die Schlei ist, ihre Meisterschaftsambitionen und gewannen zwei Wettfahrten und wurden einmal Zweiter.

Am zweiten Tag griffen nun auch Bachmeyer/Pentzlin in das Geschehen ein, doch der Vorsprung der anderen Crews in Sachen Revierkenntnis machte sich bemerkbar, zumal einige Crews extra in diesem Revier in ein Trainingslager gegangen waren. Platz 22 und Platz 17 war die ernüchternde Bilanz, die immerhin reichte, um die rote Laterne abzugeben. Vorne zogen Zoller/Billerbeck (SVWS) einsam ihre Kreise und belegten erneut einen ersten und einen zweiten Platz.

Der dritte Tag begann für die Güstrower Jugendpiraten bei nun zunehmend heißen Temperaturen und abnehmendem Wind mit Platz 21 nur geringfügig besser als am Vortag. Direkt vor ihnen kamen die Gesamtführenden Zoller/Billerbeck auf Platz 20 ins Ziel, die somit einen kleinen Einbruch erlitten. Platz 14 in der siebten Wettfahrt verdeutlichte, dass mit zunehmendem Training auch die Ergebnisse für die Güstrower etwas besser wurden. Immerhin hatte sich die Crew trotz des Handicaps der ersten drei Wettfahrten schon auf Platz 23 vorgekämpft und noch drei Wettfahrten standen am letzten Tag an. Zoller/Billerbeck führten nach einem weiteren vierten Platz mit 14 Punkten Vorsprung vor den Gesamtzweiten Kai Hendrik Friese und Jakob Keudel vom Schilkseer Yachtclub aus Kiel.

Der letzte Tag begann mit Startverschiebung. Der Hochdruckeinfluss hatte nun auch die letzten Winde genommen. Nur bis 14 Uhr konnte überhaupt gestartet werden, so sah es die Ausschreibung vor. Nach mehreren Windmessungen entschied Wettfahrtleiter Thomas Milow vom gastgebenden SVWS, dass es keine Wettfahrten mehr geben würde und aus dem Zwischen- wurde das Endergebnis, womit die Güstrower Bachmeyer/Pentzlin keine Chance mehr hatten, sich weiter nach vorne zu segeln und Zoller/Billerbeck überlegen zum ersten Mal überhaupt Deutsche Jugendmeister wurden.

Für Paul Bachmeyer und Magnus Pentzlin führte die Route zunächst wieder nach Güstrow, wo sie am vergangenen Sonnabend gemeinsam mit Tom Stegmann und Erik Buske (beide WVG) sowie Benjamin Schnepf / Fabian Jäckel (Teterow), die allesamt bei der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft aus Altersgründen nicht mehr startberechtigt waren, die nächste Reise zur Junioreneuropameisterschaft nach Tschechien antreten sollten. Doch Bachmeyer/Pentzlin (WVG) verzichteten trotz Meldung auf einen Start und der 19-jährige Stegmann und der 18-jährige Buske sowie die beiden 24-jährigen Schnepf/Jäckel vertreten nun die Farben bei 28 gemeldeten Booten aus Deutschland, Tschechien, der Schweiz und der Türkei. Jugendsegler aus Ungarn, Polen, Österreich und Dänemark, wo der Pirat auch gesegelt wird, werden leider schmerzlich vermisst.


Ludger Wetzke, Erik Buske, Tom Stegmann, Benjamin Schnepf, Fabian Jäckel (v.l.)

Ziel der Reise war der Lipno, ein Stausee, der erst 1959 entstand, um unter anderem Prag vor Hochwasser zu schützen. Er liegt an der tschechisch-österreichischen Grenze und wird auch Südböhmisches Meer genannt und ist der größte See Tschechiens. Nach knapp 750 km und über acht Stunden Autofahrt erreichten die vom Landesobmann Ludger Wetzke (WVG) betreuten Teams Tschechien und in den ersten Tagen standen Vermessungen und Training an. Dabei konzentrierte sich der Landesobmann, der üblicherweise mit dem Teterower Marko Monegel Pirat segelt und gemeinsam mit dem Güstrower Jens Bauditz im Juli Polnischer Meister wurde, insbesondere auf Stegmann/Buske. „Den einen oder anderen Tipp kann ich schon geben. Es ist wichtig, dass man sich hier vom ersten Tag an zurecht findet, um keine Wettfahrt zu verschenken“, erläutert Wetzke.

Während Stegmann/Buske eher als Geheimtipp für vordere Ränge gelten, gehören Schnepf/Jäckel zu den Favoriten. 2007 waren sie bei ihrer letzten Jugendmeisterschaft Deutscher Vizemeister und 2004 wurden sie U17-Meister. 2007 ließen die beiden dabei den amtierenden Junioreneuropameister Konrad von Hausen, der den Titel 2010 in Berlin gemeinsam mit Konrad Kuhmann (beide Segelclub Hansa Münster) ersegelte, hinter sich. Damals durften Schnepf/Jäckel nicht starten, da die Altersgrenze auf 21 Jahre festgelegt war. Erst in diesem Jahr wurde sie um vier Jahre erhöht, sodass nun etwas überraschend ein Start wieder möglich ist.

Auch die amtierende Europameisterin der Senioren Svenja Thoroe (Kiel), selbst 2008 auch Junioreneuropameisterin, ist nun plötzlich wieder startberechtigt. Sie startete aber nicht als Steuerfrau, sondern an der Vorschot von Ben Uerlichs (Segelsportclub Rursee), der 2010 und 2011 Deutscher Jugendmeister war. Gemessen an den Titeln – auch Svenja Thoroe war zweimal Jugendmeisterin – liegt die Favoritenrolle wohl bei Uerlichs/Thoroe. Nicht am Start ist jedoch der ebenfalls zweimalige Deutsche Jugendmeister Sven Vagt (Bremen), der 2005 in Güstrow und 2007 vor Schnepf/Jäckel den Titel errang.

Daneben wird man Kirstin Wöhlk / Daniel Dücker (Kiel) auf der Rechnung haben müssen. Kirstin Wöhlk war 2010 Vizejunioreneuropameisterin und 2009 Deutsche Jugendmeisterin und kommt aus derselben „Kieler Segelschule“ wie Svenja Thoroe. Auch Eike Tjark Martens / Nina Hadeler (Hamburg/Bremen), die 2008 den Jugendmeistertitel errangen, dürfen sich Chancen ausrechnen. Auf die frisch gebackenen und souveränen Deutschen Jugendmeister Johannes Zoller / Frieder Billerbeck (SVWS) darf man sicherlich gespannt sein. Vizemeister Kai Hendrik Friese (Kiel) und die Drittplatzierte der IDJM Elisabeth Baumgarten (Münster) starten mit anderen Vorschotern, sodass eine Prognose hier schwierig ist.

„Das Feld ist ziemlich stark an der Spitze. Die ersten zehn Boote waren bei vergangenen Meisterschaften und Jugendmeisterschaften erfolgreich. Wir werden versuchen unser Bestes zu geben und gucken mal, wozu es am Ende reicht“, zeigt sich der Teterower Benjamin Schnepf verhalten optimistisch. Übrigens haben sich Schnepf / Jäckel extra das Erfolgsschiff ihrer Vereinskameraden Ines Pingel / Thomas Heldt geborgt, mit dem die beiden 2011 Vizeeuropameister wurden. Bis zum Ende der Woche sind 12 Wettfahrten geplant, sofern der Wind mitspielt.

Jörn-Christoph Jansen

 

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