Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V., An den Bootshäusern 13, 18273 Güstrow info@wvg1928.de

76 Segler aus 4 Nationen kämpften um 2 Trophäen

WVG 1928 e.V. veranstaltete hochrangige Regatten auf dem Inselsee
 
Der Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V. (WVG) hatte am vergangenen Wochenende zu den letzten großen Regatten der Segelsaison 2015 geladen. Aufgerufen waren die Klassen Pirat in der 12. Auflage des Nebelbeils sowie die olympische Finn-Dinghy-Klasse zur 5. Nebelwelle.
 
33 Boote mit 66 Seglern in der Klasse Pirat und 10 Boote und Segler in der Einhandklasse der Finn-Dinghys konnte der WVG-Vorsitzende Peter Anders stellvertretend für den Gastgeber begrüßen: „Mit dem Teilnehmerfeld sind wir sehr zufrieden. Bei den Piraten haben noch einige aufgrund Erkrankung absagen müssen, sonst hätten wir wohl 40 Boote in der Meldeliste. Besonders hervorzuheben sind die Meldungen aus Österreich, Tschechien und Polen.“

In der Klasse „Pirat“ gingen mit Josef Rybácek / Václav Hendrych vom Yacht Club Doksy und Milan Grill (Yacht Klub Jiskra Trebon) / Pavel Moucha (TJ Staré Splavy) zwei tschechische Boote an den Start. Die Crew Rybácek / Hendrych gehört zu den besten der Piraten Tschechiens und errang schon Staatsmeistertitel in der Heimat, aber auch in Österreich. Vom Wiener Yacht Club stammend fuhren Günter Fossler und Roswitha Beranek mehr als eintausend Kilometer, um am Nebelbeil teilnehmen zu können. An den Start gehen sie getrennt als Mixtteams an der Vorschot von Anne Bauditz (Berlin) bzw. von Björn Helms (Berlin). Ähnlich wie der Tscheche Josef Rybácek hat auch Günter Fossler in seiner Heimat schon alles gewonnen und ist mehrfacher Staatsmeister.
 
Auch das Feld der Finn-Dinghys war wieder international. Mit Cesary Jakubowski vom PTTK Stargard und Dariusz Chodorowski vom Polskie Stowarzyszenie Regatowe Klasy Finn starteten zwei polnische Finnsegler.
 
Klar favorisiert bei den Piraten waren Ines Pingel-Heldt / Thomas Heldt (Teterow). Die amtierenden Deutschen Meister gewannen an selber Stelle 2013 bis 2015 das Silberne Beil und 2014 auch das Nebelbeil. Auch die dreifachen Deutschen Meister Bernd Höft / Burkhard Rieck (Rostock) sollten ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Nicht zuletzt war die tschechische Crew Rybácek / Hendrych stark einzuschätzen. Die Güstrower Hoffnungen ruhten auf Peter Anders / Peter Merten (WVG/Schwerin) und Jens Bauditz / Susanne Thiel (WVG). Bei den Finn-Dinghys war André Butzien (Schwerin), der die Nebelwelle bereits dreimal gewann, klarer Favorit.
 
Für die Überraschung sorgte schon bei der Eröffnung der Regatten Wettfahrtleiter Andreas Möller (WVG): „Wir segeln auf dem 3. See hinter Schöninsel. Ich müsst alle durch den Schwanenhals.“ Der Schwanenhals ist die Verbindung zwischen 2. und 3. See des Inselsees. „Selbst wir Güstrower segeln auf diesem See eigentlich keine Regatten, aber aufgrund der parallelen Jugendregatta unseres Nachbarvereins bot  es sich an, dies mal zu probieren“, so Carsten Jansen (WVG).
 
Bei Wind um 4 und in Böen um 5 Beaufort aus östlicher Richtung war der Anfahrtsweg vor dem Wind auch nicht beschwerlich. Der 1. Start glückte prompt und die gute Form von Bauditz / Thiel machte sich mit Platz 1 an der ersten Bahnmarke bemerkbar. In Lauerstellung die Favoriten Pingel-Heldt / Heldt und mit etwas Abstand Schnepf / Jäckel (Teterow), Höft / Rieck und Bernstegel / Salewski (Cottbus). Im vorderen Mittelfeld segelten Anders / Merten (WVG/Schwerin) und Wetzke / Anderssohn (WVG/Rostock). Auf dem Vorwindkurs überholten sowohl  Pingel-Heldt / Heldt als auch Höft / Rieck die Güstrower Bauditz / Thiel und lieferten sich sodann ein Duell über weitere knapp 3 Seemeilen. Im Ziel hatten Pingel-Heldt die Bugspitze vor Höft / Rieck und Bauditz / Thiel. Auf Platz vier folgten Rybácek / Hendrych, die sich kontinuierlich nach vorne segelten und Schnepf / Jäckel (Platz 5) sowie Wetzke / Anderssohn (Platz 6) überholten. Die Aufholjagd für Anders / Merten endete auf Platz 7.
 
In der 2. Wettfahrt zeigten die Favoriten Pingel-Heldt / Heldt (Teterow) direkt, warum sie in der Piratenklasse eine Ausnahmestellung inne haben und führten vom Start an. An der 1. Bahnmarke noch gefolgt von Bauditz / Thiel (WVG) und Rybácek / Hendrych (Tschechien). Dahinter lagen mit Schnepf / Jäckel (Teterow), Anders / Merten (WVG/Schwerin), Höft / Rieck (Rostock) und Wetzke / Anderssohn (WVG/Rostock) mehrere Güstrower. Von Platz drei bis Platz sieben waren es nur wenige Bootslängen. „Der 3. See ist hoch anspruchsvoll und taktisch sehr interessant zu segeln“, so Peter Anders, der sich deutlich verbessert zeigte und am Ende der 2. Wettfahrt als Zweiter nach Pingel-Heldt / Heldt ins Ziel kam. Es folgten Schnepf / Jäckel (Teterow), Bauditz / Thiel (WVG), Rybácek / Hendrych (Tschechien) und wieder auf Platz 6 Wetzke / Anderssohn (WVG/Rostock). Höft / Rieck (Rostock) ersegelten Platz 9.
 
In der 3. Wettfahrt sollte die Stunden von Wetzke / Anderssohn (WVG/Rostock) schlagen. Mit einem sehr guten Start und einer noch besseren Startkreuz verwiesen sie das gesamte Feld auf die Plätze und führten. Folgen konnten ihnen zunächst nur Bauditz / Thiel (WVG) – Doppelführung für den WVG. Aber schon auf Platz drei folgten Pingel-Heldt / Heldt, die aufholten. Die Bahnlänge war schon in der 3. Wettfahrt kürzer als in der ersten, was Bauditz / Thiel nicht helfen sollte, die Pingel-Heldt / Heldt ziehen lassen mussten. Während alle damit rechneten, dass wiederum die Favoriten gewinnen würden, behielten die jungen Segler Wetzke / Anderssohn jedoch die Nerven und hatten auf der Zielkreuz auch ein Quäntchen Glück. Im Ziel war der Jubel über den Güstrower Tagessieg groß. Pingel-Heldt / Heldt hatten mit Platz 2 die Titelverteidigung des Nebelbeils auch sicher. Platz der 3 in der 3. Wettfahrt errangen Rybácek / Hendrych (Tschechien) vor den wieder verbesserten Höft / Rieck (Rostock), Bauditz / Thiel (WVG/Schwerin) und Anders / Merten (WVG/Schwerin).


Doppelführung: GER 4200 mit Anna Anderssohn (Rostock) und Ludger Wetzke (WVG) vor Jens Bauditz / Susanne Thiel (WVG)


Auch bei den Finn-Dinghys glückte der erste Start und schon an der Luvbahnmarke konnten sich André Budzien und Lars Haverland vor Alexander Goltz und Carsten Niehusen (alle Schwerin) absetzen. Weitere 3 ½ Seemeilen später war dies auch die Reihenfolge im Ziel der 1. Wettfahrt.
 
Die 2. Wettfahrt bot bei den Finn-Dinghys weniger Spannung. André Budzien gewann sehr souverän wiederum vor Lars Haverland und Alexander Goltz. Wie schon in der ersten Wettfahrt landete Carsten Niehusen auf dem undankbaren 4. Platz.
 
Umso spannender war dann die dritte und letzte Tageswettfahrt: Lars Haverland führte nun vor André Budzien und auch Alexander Goltz und Jochen Bülow (Rostock) waren auf Tuchfühlung. Nach einem Zweikampf, der hart aber fair geführt wurde, konnte Haverland Budzien besiegen und die Entscheidung über den Sieg bei der Nebelwelle auf Sonntag vertagen.
 
Während der Sieg bei den Piraten vergeben war, sollte der Kampf um die Positionen Spannung versprechen, denn Platz 2 trennten drei Punkte von Platz 6. Nervös zeigte sich das Piratenfeld am Sonntag bei wiederum 4 Beaufort und es bedurfte eines zweiten Startversuchs unter Schwarzer Flagge, ehe das Feld auf die Bahn ging – dieses Mal auf den 2. See. Es waren wiederum Jens Bauditz und Susanne Thiel (WVG), die die Güstrower Farben hoch hielten und an der ersten Bahnmarke führten. Dicht gefolgt von Anne Bauditz / Günther Fossler (Berlin/Österreich) und Gunter Edinger / Stefan Henschel (Berlin). Auf Platz vier folgten Pingel-Heldt / Heldt (Teterow), die jedoch die Heimreise antraten. „Wir wollten uns bei so viel Punktgleichheit nicht einmischen. Wir waren vorne dabei, das ist okay“, so Ines Pingel-Heldt. Sie sollten ein packendes Duell von Bauditz / Thiel und Edinger / Henschel verpassen, die an der zweiten Bahnmarke gleichauf lagen. Während zunächst Bauditz / Thiel führten, mussten sie Edinger / Henschel im weiteren Verlauf passieren lassen, die an der vorletzten Bahnmarke eine Bootslänge voraus waren und ihren Vorsprung bis zur letzten Bahnmarke leicht ausbauen konnten. Beide Boote lagen weit vor dem Rest des Feldes. Auf der Zielkreuz nutzen Bauditz / Thiel geschickt einen taktischen Fehler und holten den zweiten Güstrower Tagessieg und Platz zwei in der Gesamtwertung. Hinter Rybácek / Hendrych (Tschechien), die sich immer besser auf dem Güstrower Inselsee zurechtfanden, kamen Höft / Rieck (Rostock) ins Ziel. Beide Crews waren nach vier Wettfahrten nun punktgleich. Die beste Platzierung gab den Ausschlag für die Rostocker, die so Gesamtplatz 3 erreichten. Wiederum in die Topten segelten Anders / Merten (Platz 7) und Wetzke / Anderssohn (Platz 10).
 
Bei den Finn-Dinghys war die Ausgangslage ebenso klar wie spannend: Wer die letzte Wettfahrt gewinnt, gewinnt auch gesamt. André Budzien und Lars Haverland hatten beide noch Siegchancen. Der Routine von Budzien setzte sich jedoch schon an der ersten Bahnmarke durch und Haverland war nicht einmal auf Platz 2, auf den Jochen Bülow lag. Zwar konnte Haverland von Platz 4 noch auf 2 segeln, aber Budzien ließ sich den dritten Tagessieg an diesem Wochenende und den vierten Gesamtsieg bei der Nebelwelle nicht mehr nehmen.


André Budzien (GER 711) im Schwanenhals


„Am 24. Oktober schließen alle Güstrower Segler die Segelsaison 2015 mit dem Absegeln endgültig. Dennoch werden einige Güstrower auch im Winter segeln“, weshalb Peter Anders noch kein Saisonfazit ziehen konnte. So steht die Nikolausregatta in Potsdam für die Piratensegler im Dezember noch an. Für die Finn-Dinghys folgt gar noch die Deutsche Meisterschaft auf den Dümmer.
 
Jörn-Christoph Jansen

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