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Ulf Lorenz (WVG) gewinnt erstmals an der Vorschot von Thomas Heldt (Teterow)

33 Boote mit 66 Seglern fanden sich am vergangenen Wochenende zur 62. Auflage des Silbernen Beils ein. „In der Nacht von Freitag auf Samstag reiste plötzlich eine tschechische Crew vom Yachtclub Doksy an. Zdenek Richter und Pavel Moucha haben tatsächlich 500 Kilometer Autofahrt auf sich genommen, um in Güstrow zu segeln“, sagt Peter Anders, Vorsitzender des veranstaltenden Wassersport-Vereins-Güstrow 1928 e. V. (WVG), sichtlich stolz. „Mit 33 Booten dürfen wir – abgesehen von der Jubiläumsregatta ‚80 Jahre Pirat‘ das stärkste Teilnehmerfeld begrüßen“, weiß Peter Anders die Meldezahl einzuordnen.

Das Wettfahrtkomitee um Andreas Möller (WVG) konnte wieder ein hochklassiges Feld mit insgesamt vier Deutschen Meistern, zwei Europa- und zwei Weltmeistern begrüßen. Zu den klaren Favoriten gehörten die fünffachen und zugleich amtierenden Deutschen Meister Bernd Höft und Burkard Rieck aus Rostock sowie der Rekordsieger Thomas Heldt (Teterow), der in diesem Jahr von Ulf Lorenz an der Vorschot unterstützt wurde. Ein breites Verfolgerfeld bildete sich dahinter, das von Donald Lippert/Phyllis Lippert (Berlin), über Karl-Hermann Wildt/Gabriele Wildt (Berlin) bis hin zu den Brüdern Björn und Marc Helms (Berlin) reichte.

Die Sieger des 62. Silbernen Beils: Thomas Heldt und Ulf Lorenz

Die Güstrower Hoffnungen ruhten auf den Titelverteidigern Peter Anders/Peter Bark, den frisch gebackenen Siegern des Rangsdorfer Bürgermeisterpokals Andreas Ebel/Martin Schlichting (alle WVG), sowie den gemixten Teams Jens Bauditz/Peter Merten (WVG/Schwerin) und Daniel Reinsberg/Alfred Seeger (Röbel/WVG).

Viel Sonne und zu wenig Wind bei leichter Bewölkung beherrschten Sonnabendvormittag den Inselsee. Statt wie geplant um 11 Uhr zu starten, erfolgte der Start mit zweieinhalbstündiger Verspätung. „Wir brauchen vier Knoten am Start. Darauf mussten wir warten“, verrät Wettfahrtleiter Andreas Möller. Sofort klappte der erste Startversuch und die Favoriten waren beieinander. Heldt/Lorenz führten vor Höft/Rieck und Wildt/Wildt. An der ersten Bahnmarke schoben sich Claudia Roll/Eberhard Steffen (Berlin/Neustrelitz) auf Platz drei. Dahinter folgten Wildt/Wildt, Ebel/Schlichting und Anders/Bark. Der Vorwindkurs ließ das Feld enger zusammenrücken und auch Bauditz/Merten schlichen sich nach vorne. Da nun schon die Zielkreuz folgte, veränderten sich die Positionen nur wenig. Es gewannen Heldt/Lorenz vor Höft/Rieck und Ebel/Schlichting, die ebenso wie Roll/Steffen (4.) Wildt/Wildt (5.) überholten. Bauditz/Merten auf Platz sechs und einige weitere Crews kassierten Anders/Bark (10.) noch.

Die zweite Wettfahrt sollte ein doppelter Up-and-Down werden. Nach einem Superstart konnten sich Höft/Rieck schnell vom Feld absetzen. An der ersten Bahnmarke hatten sie fast zehn Bootslängen Vorsprung vor Anders/Bark und Ebel/Schlichting. Heldt/Lorenz lagen auf Platz sechs. Auf dem Vorwindkurs schoben sich Volker Schoen/Birgit Freiheit (Sternberg/Berlin) auf Platz drei und nahmen hinter Anders/Bark die Verfolgung auf. Doch die zweite Kreuz gehörte Heldt/Lorenz, die bis auf Platz drei – es führten Höft/Rieck weiterhin souverän vor Anders/Bark – vorsegelten. Gleichauf lagen Schoen/Freiheit und einen Meter dahinter Lippert/Lippert. Bis auf Höft/Rieck war das Feld eng beisammen. Auf dem Vorwindkurs verschoben sich die Positionen nur gering. Die nun folgende Zielkreuz wurde zum Matchrace zwischen Heldt/Lorenz und Anders/Bark mit dem besseren Ende und Platz zwei für Heldt/Lorenz. Die Dauerrivalen Höft/Rieck gewannen. Die Berliner Gunter Edinger/Matthias Haase schoben sich auf Platz vier vor Lippert/Lippert (5.) und Ebel/Schlichting (6.). Bauditz/Merten wurden nach Frühstart disqualifiziert. Dasselbe Schicksal ereilte auch die WVG-Jugendcrew Mads-Ove Pagel und Elias Edelberg, die beide erst 12 Jahre alt sind.

Weil am Abend noch die Stadtwette gewonnen werden sollte, wurde ohne Pause die dritte Wettfahrt gestartet. Außerdem ließ der Wind etwas nach. Konnten in der zweiten Wettfahrt noch drei Beaufort gemessen werden, waren es nun nur noch knapp zwei Windstärken. Bei diesen schwierigen Bedingungen suchte das Feld die linke oder die rechte Seite des Sees, um an der Uferkante entlang zu segeln. Höft/Rieck wählten die Mitte und erwischten den besten Wind, sodass sie folgerichtig an der ersten Luvbahnmarke führten. Es folgten mit deutlichem Abstand Anders/Bark und Heldt/Lorenz. Mit jeweils deutlichem Abstand zueinander segelten dahinter Edinger/Hasse, Wildt/Wildt und Schoen/Freiheit. Der Vorwindkurs brachte kaum Veränderung. Da der Wind nachzulassen drohte, entschloss sich das Wettfahrtkomitee an der Luvbahnmarke die Bahn abzukürzen. So gewannen Höft/Rieck ihre zweite Tageswettfahrt nunmehr vor Anders/Bark und Heldt/Lorenz. Bauditz/Merten ließen ihre Klasse aufblitzen und segelten auf Platz vier vor, wobei sie Edinger/Haase (5.) und Wildt/Wildt (6.) einholten. Als eine der wenigen wussten Lippert/Lippert (7.), wie die Bahn beim Zieldurchgang an einer Bahnmarke abgekürzt wird, was für das Protestkomitee Arbeit, aber an den Ergebnissen nur wenig Veränderung bedeutete. Schon in der Zwischenwertung waren mit Höft/Rieck und Heldt/Lorenz die Favoriten vorne. Anders/Bark lauerten dahinter ebenso wie Lippert/Lippert.

Nach gewonnener Stadtwette ging es am Sonntag bei herrlichem Sonnenschein und 3-4 Beaufort wieder auf den Kurs. Der erste Start klappte prompt und die besten Starter waren einmal mehr Höft/Rieck und Heldt/Lorenz. Nach fünf Minuten hatte sich eine Dreiergruppe mit diesen beiden Crews und Lippert/Lippert an die Spitze gesetzt. Die Kreuz bot Spannung, weil ganz unterschiedliche Seiten gewählt wurden. Nun hatten Lippert/Lippert das richtige Näschen und rundeten die Luvbahnmarke als Erste vor Heldt/Lorenz und Höft/Rieck. Eine Gruppe aus sieben Booten, zu der auch Ebel/Schlichting, Schnepf/Jäckel und Wildt/Wildt gehörten, folgte. Anders/Bark hatten sich etwas verspekuliert fanden sich um Platz 20 wieder. Zahlreiche Positionskämpfe auf dem Vorwindkurs folgten und Höft/Rieck überholten zunächst Lippert/Lippert und wurden dann von Heldt/Lorenz doch wieder eingeholt. An diese Gruppen schoben sich Martens/Sauer heran. Auf der zweiten Kreuz fingen Lippert/Lippert an zu zaubern und ersegelten eine halbe Minute Vorspung. Demgegenüber fielen Höft/Rieck und Heldt/Lorenz deutlich ab. Nun waren Wildt/Wildt und Helms/Helms auf den Plätzen zwei und drei. Dahinter folgten Ludger Jacobs/Sascha Rix (WVG/Teterow), die wie entfesselt das Feld von hinten aufrollten. Alle Crews belagerten sich auf der Vorwindstrecke und dahinter lauerten Heldt/Lorenz, Höft/Rieck und nun auch die um zehn Plätze verbesserten Anders/Bark. Während Lippert/Lippert einen ungefährdeten Tagessieg einfuhren, entwickelte sich der Kampf um Platz zwei zum Fotofinish mit dem besseren Ende für Jacobs/Rix, die vor Wildt/Wildt und Martens/Sauer die Ziellinie querten. Am Ende des ersten Drittels kamen Heldt/Lorenz (7.), Höft/Rieck (10.) und Anders/Bark (11.) ins Ziel.

Zum ersten Mal überhaupt folgte nun eine fünfte Wettfahrt. Erst der zweite Startversuch klappte und die bis dato Gesamtführenden Höft/Rieck erlagen eine Disqualifikation – Frühstart. Wenn Heldt/Lorenz nun nicht besser als Platz fünf segeln würden, würde es dennoch zum Gesamtsieg reichen. Und es wurde richtig spannend. Wiederum Lippert/Lippert segelten stark und lagen an der ersten Luvbahnmarke knapp vor Helms/Helms, die immer besser wurden. Martens/Sauer auf Platz vier wurden von Heldt/Lorenz verfolgt. Aber Schnepf/Jäckel und Schoen/Freiheit waren beide in Schlagdistanz. Heldt/Lorenz durften nicht einen einzigen Platz verlieren, um insgesamt zu gewinnen. Mühsam schoben sich Heldt/Lorenz auf dem ersten Vorwindkurs vor Martens/Sauer und hatten nun ein bisschen Luft, doch sie wollten mehr. Während Lippert/Lippert und Helms/Helms sich duellierten, schoben sich Heldt/Lorenz gar dazwischen. Lippert/Lippert waren jedoch nicht einzuholen und ersegelten ihren zweiten Tagessieg, der Platz drei in der Gesamtwertung bedeutete. Der zweite Platz reichte Heldt/Lorenz, um Höft/Rieck von der Gesamtführung noch zu verdrängen. Titel Nummer acht als Steuermann für Thomas Heldt, insgesamt der 12. Sieg. Helms/Helms wurden Dritter. Anders/Bark reichte Platz 17 in der 5. Wettfahrt, um den „Wilhelm-Jansen-Gedächtnispokal“ für den in Güstrow gar nicht so undankbaren 4. Gesamtplatz zu gewinnen. Mit Platz sieben in der letzten Wettfahrt sicherten sich Ebel/Schlichting Gesamtplatz sechs punktgleich mit den Gesamtfünften Helms/Helms.

„Thomas Heldt und Bernd Höft/Burkhard Rieck haben in sechs der letzten sieben Jahre Platz eins und Platz zwei belegt. Das ist beeindruckend. Wir freuen uns als WVG natürlich besonders für Ulf Lorenz, der sein erstes Silbernes Beil gewonnen hat“, so Peter Anders, Vorsitzender des WVG. „Damit habe ich nie gerechnet. Eigentlich wollte ich schon aufhören, zu segeln und nun hab ich die wichtigste Trophäe der Piratenklasse gewonnen“, strahlte der Güstrower Ulf Lorenz (WVG).

Für die Piratensegler geht es in zwei Wochen schon zum Saisonhöhepunkt auf das Steinhuder Meer zur Deutschen Meisterschaft. Vorher helfen zahlreiche WVG-Mitglieder auf der 81. WARNEMÜNDER WOCHE. Die Piraten segeln dort leider nicht. Ein Wiedersehen am Inselsee kann es dann zum 15. Nebelbeil am 13./14. Oktober in Güstrow geben.

Jörn-Christoph Jansen

Update:
Auch GüstrowTV berichtete vom Silbernen Beil. Hier ist das Video dazu:

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