Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V., An den Bootshäusern 13, 18273 Güstrow info@wvg1928.de

Silbernes Beil eröffnet Regattasaison der Segler

Rostocker Bernd Höft / Burkhard Rieck gewinnen 64. Silbernes Beil

In diesem Jahr ist alles anders und so begann auch die Segelsaison erst jetzt Ende Juni. Deutschlandweit war es die erste Regatta der Klasse „Pirat“ und auch auf dem Inselsee Saisonpremiere. 36 Boote mit 72 Seglern fanden sich am vergangenen Wochenende zur 64. Auflage des Silbernen Beils ein. „Wir hätten unter diesen Umständen problemlos 50 Meldungen gehabt, aber wir haben uns selbst aufgrund der zu wahrenden Abstände und zum Schutze der Gesundheit für eine Meldebeschränkung entschieden“, erläuterte Peter Anders, Vorsitzender des veranstaltenden Wassersport-Vereins-Güstrow 1928 e. V. (WVG).

Das Wettfahrtkomitee um Andreas Möller (WVG) konnte wieder ein hochklassiges Feld mit insgesamt vier Deutschen Meistern, drei Europa- und drei Weltmeistern begrüßen. Zu den klaren Favoriten gehörten die fünffachen Deutschen Meister Bernd Höft und Burkard Rieck aus Rostock, die Rekordsieger, amtierenden Deutschen Meister und Titelverteidiger Ines und Thomas Heldt (Teterow) sowie die vielfachen Deutschen Meister und Europameister Svenja Thoroe/Karsten Bredt (Kiel/Hannover). Dahinter bildete sich ein breites Verfolgerfeld, das vom amtierenden Europameister Frieder Billerbeck mit Julius Raithel (Wedel-Schulau) angeführt wurde. Auch Donald und Phyllis Lippert (Berlin) und Frank Martens/Uwe Sauer (Teterow/Güstrow) musste man auf der Rechnung haben.

Die Güstrower Hoffnungen ruhten auf den dreifachen Siegern Peter Anders/Peter Bark, auf Andreas und Martin Ebel, auf Jens Bauditz/Susanne Thiel (alle WVG) sowie auf den gemixten Teams Daniel Reinsberg/Alfred Seeger (Röbel/WVG) und Björn Helms/Ulf Lorenz (Berlin/WVG).

„Niemals zuvor war eine Veranstaltung für uns so herausfordernd. Kommunikation mit dem Gesundheitsamt, Hygienekonzept mit Hygienearzt, Reinigungspläne, Einbahnstraßensystem und vieles mehr waren zu organisieren. Da geriet fast in den Hintergrund, dass wir eigentlich ‚nur‘ Segeln wollten“, so Peter Anders über die Vorbereitung in Corona-Zeiten.

Schon der Beginn der Veranstaltung war ungewöhnlich. Statt einer traditionellen Eröffnung am Flaggenmast wurde mit Lautsprecheranlage und Abstand zueinander auf der großen Wiese begrüßt und auf Hygieneregeln hingewiesen. Auch der Wettfahrtleiter erklärte, was er vorhaben würde, wenn denn Wind wäre. Doch der Inselsee präsentierte sich nahezu spiegelglatt.

„Für eine Ranglistenregatta benötigen wir 4 Knoten am Start und wenigstens stabile Bedingungen. Als ich zum Windmessen fuhr, hatten wir als Maximalwert 3,8 Knoten und im Durchschnitt knapp 2 Knoten. Das war zu wenig“, zeigte sich Wettfahrtleiter Andreas Möller enttäuscht. Aber die Vorhersage prognostizierte für den späten Nachmittag oder den frühen Abend Wind um 2-3 Beaufort.

Das Warten nahmen die Teilnehmer gelassen. Über sechs Monate hatte man sich kaum bis gar nicht gesehen. Manche haben schon zusammen trainiert, aber es gab viel zu erzählen über die Ereignisse des Jahres und das Durchleben dieser Zeit an den verschiedenen Orten der Republik. Außerdem lud der Inselsee bei 24°C Wassertemperatur zum Baden ein.

Als um 17 Uhr Gewitterwolken aufzogen und der Inselsee immer noch keinen Windhauch zeigte, entschied das Wettfahrtkomitee, alle Wettfahrten auf den morgigen Tag zu verschieben. Dass von den eigentlich geplanten fünf Wettfahrten dann nur noch zwei oder drei gesegelt werden könnten, war damit klar, denn die letzte Startmöglichkeit lag auf 12:30 Uhr. Doch die Prognosen auf Wind waren gut.

Zur Überraschung aller hielt der Inselsee sich nicht an die Wettervorhersagen. Fast schien es, als würde zum ersten Mal seit 1964 ein Silbernes Beil ohne Wind und ohne Sieger beendet werden.

Um keine Zeit zu verlieren und bei vielleicht einsetzendem Wind schnell starten zu können, blies das Wettfahrtkomitee zum Auslaufen. Die Entscheidung erwies sich als richtig, denn der Wind setzte ein. Ein Up-and-Down-Kurs mit zwei Runden wurde angezeigt und kurz vor dem Startsignal setzte Regen und damit auch mehr Wind ein.

Nach einem missglückten Start, klappte der zweite Startversuch unter Schwarzer Flagge, der allerdings für drei Crews – betroffen war auch Europameister Billerbeck mit Vorschoter Raithel – eine Disqualifikation wegen Frühstartes bedeutete.

Ganz hervorragend starteten die Güstrower Anders/Bark, die sich nach der ersten Kreuz nur den Rostockern Höft/Rieck und dem Berliner Ehepaar Lippert geschlagen geben mussten. Die Boote trennte jeweils nur eine halbe Bootslänge. Reinsberg/Seeger folgten ebenso dicht. Beim ersten Vorwindkurs wählten die genannten Kontrahenten die gleiche Taktik. Ebel/Ebel (WVG) und Martens/Sauer entschieden sich hingegen mutig für einen Leebogen und wurden belohnt. Hinter Höft/Rieck reihten sich Ebel/Ebel an der Leebahnmarke als Zweiter ein und hatten neun Plätze gewonnen. Für Lippert/Lippert reichte es noch zum dritten Rang, dicht gefolgt von Martens/Sauer, die nun ein Husarenstück hinlegten und nach der zweiten Kreuz vor Höft/Rieck führten. Diese Führung verteidigte sie bis ins Ziel. Hinter Höft/Rieck (2.) platzierten sich Ebel/Ebel (3.), Anders/Bark (4.) und Thoroe/Bredt (5.). Heldt/Heldt auf Platz 8 war bei vielleicht nur noch einer Wettfahrt die Titelverteidigung schon kaum mehr möglich.

Der Start zur 2. Wettfahrt folgte prompt und wieder waren es Anders/Bark die hervorragend unterwegs waren und dieses Mal auch die Startkreuz für sich entschieden. Doch das Verfolgerfeld war dicht auf und alle waren mit dabei: Heldt/Heldt (2.), Höft/Rieck (3.), Thoroe/Bredt (4.), Lippert/Lippert (5.) und Billerbeck/Raithel (6.). Ebel/Ebel waren etwas zurück um den 10. Platz. Auf der zweiten Kreuz wählten Anders/Bark die rechte Seite, weil sie dort auf Wind hofften. Höft/Rieck und Heldt/Heldt segelten mittig und sollten Recht behalten. Beim Erreichen der Luvbahnmarke waren beide vor Anders/Bark. Auf dem Vorwindkurs ergab sich keine Positionsveränderung mehr und das Wettfahrtkomitee nahm die Boote schon an der nächsten Bahnmarke mit Bahnabkürzung ins Ziel: Hinter Höft/Rieck (1.), Heldt/Heldt (2.), Anders/Bark (3.) folgten Thoroe/Bredt (4.) und Lippert/Lippert (5.). Ebel/Ebel kamen als 7. hinter Billerbeck/Raithel ins Ziel.

Da es keine weitere Wettfahrt geben sollte, gewannen Höft/Rieck mit dem Sieg in der zweiten Tageswettfahrt auch die Gesamtwertung und zum vierten Mal nach 2007, 2011 und 2012 das Silberne Beil. Anders/Bark wie im Vorjahr auf Gesamtplatz zwei und Thoroe/Bredt als Gesamtdritte komplettierten das Podium. Den 122 Jahre alten Wilhelm-Jansen-Gedächtnispokal für den undankbaren vierten Platz gewannen Andreas und Martin Ebel. Wilhelm Jansen (1907-1996) war 23 Jahre Vorsitzender des heutigen WVG 1928 e. V. Der Pokal wurde seit 1996 nunmehr zum 25. Mal verliehen.

„Bernd Höft und Burkard Rieck sind die verdienten Sieger. Wir sind mit unserem Ergebnis zufrieden. Natürlich hätten wir lieber mehr Wettfahrten gesegelt, aber das war am Sonnabend nicht möglich“, zog Peter Anders Bilanz des Segelwochenendes.

„Die Organisation des Silbernen Beils hat ganz hervorragend geklappt. Es war wichtig, dass endlich der Startschuss für die Regattasaison 2020 gefallen ist. Vierter zu werden, ist in Güstrow am schönsten“, zog auch Andreas Ebel, Wettsegelobmann der Klassenvereinigung, ein positives Fazit.

Für die Piratensegler geht es nun nicht wie gewohnt zur WARNEMÜNDER WOCHE, sondern nach Tschechien, Österreich und Ungarn. Dort starten schon im Juli die jeweiligen Meisterschaften, zu denen auch die Güstrower aufbrechen. Die Deutsche Meisterschaft wird als Saisonhöhepunkt Anfang September in Röbel auf der Müritz ausgetragen. Ursprünglich war sie für Mai auf dem Dümmer vorgesehen, aber in dieser Saison ist alles anders. Ein Wiedersehen am Inselsee kann es zum 17. Nebelbeil am 10./11. Oktober in Güstrow geben.

Jörn-Christoph Jansen

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