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Am 14. Juni 2014 war es wieder so weit, die Teterow‘schen hatten mich eingeladen, die Tour Rund Hiddensee mitzusegeln. Von unserem Verein hatten im vergangenen Jahr Jürgen Kitta und Torsten Bockentin auf Jürgens P-Kreuzer und Ludger und ich auf dem gleichen Kutter die Tour mitgemacht. Es ist eine tolle aber auch anspruchsvolle Tour. Wer die Gewässer um Hiddensee kennt, weiß wovon ich rede.


So startete ich in Güstrow um 5:30 Uhr und pünktlich zur Steuermannbesprechung um 07:00 Uhr präsent. AM Start ca. 25 Kutter. Um 08:30 Uhr Start. Dieses Mal sollten wir im Uhrzeigersinn runden. Marken (außer nach dem Start ausgelegte Luvmarke) waren nicht vorgegeben, nur die roten Sperrzonen sind zu meiden. Ich persönlich finde nicht gut, dass es offensichtlich Kutter gibt, die über besseres Kartenmaterial und Navigationsgeräte verfügen, die Abkürzungen über Flachwasser ermöglichen und damit den Rennverlauf erheblich beeinflussen können oder segeln die nur riskanter? Nach der Regatta würden, so wurde es bekannt gegeben, der Platz 1, Platz 5 und Platz 11 gewogen. Ein Kutter darf leer mit Schwert 1000 kg wiegen.

An Bord Gutschi (Steuermann), Dietmar de Klockenschoster (Besan), Carsten (Groß), Walter (Fock), Tüdel (Spi), Hansi (Vordeck oder Ballast oder Trimmgewicht). Gute Besatzung, regattaerprobt. Sie haben in diesem Jahr bisher jede Kutterregatta, an der sie teilgenommen haben, gewonnen. Und bei solchen Supertollen Siegertypen darf ich mitsegeln…. Da schwillt mir vor Stolz die Brust, hoffentlich mache ich nicht zu viel falsch.

Punkt 08:30 Uhr erfolgt bei leichten bis mäßigen Winden der Start vor der Strelasundbrücke. Die Dickschiffe starten wohl später, denn es sind noch keine zu sehen, außer denen, die Rund Rügen am Freitagabend gestartet waren und jetzt einlaufen. Perfekter Luvstart. Wind hatte 3 min vor Start leicht nach rechts gedreht, was nicht alle bemerkt hatten, denn bis dahin war eigentlich lee begünstigt gewesen. Wir machen Fahrt und überlaufen bald den etwas in lee vor uns liegenden Kutter. Kurzer Verholer, Tonne nach Start genommen Kurs Hiddensee. Wir laufen geschwindigkeitsmäßig recht gut auf Backbordbug gen Norden mit einem Bootsspeed zwischen 4 bis 5 kn. Rund Hiddensee sind es per Luftlinie ca. 40 sm. Hieße also, wir würden so ca. zwischen 7 bis 11 h segeln, vorausgesetzt der Wind bleibt in etwa so wie zum Startzeitpunkt. Wir steuern auf die Parower Landzunge zu und versuchen ohne zu knüppeln diese zu umfahren. Gelingt uns leider nicht, müssen noch einen Verholer machen. Die anderen sind zwar achteraus, laufen aber wesentlich höher. Da  es aber taktisch unklug wäre vom Ziel Ansteuerung Hiddensee wegzufahren, machen wir nur einen kurzen Verholer. Die anderen sind uns nun dicht auf den Fersen. Wir bleiben aber vorne. Der Speed ist nach wie vor etwas besser. Wir schaffen nicht das erste Tonnenpaar des Tonnenstrichs des Fahrwassers und hoffen (eine Hand hat der Vormann immer am Schwertfall), dass wir ohne Grundberührung klar kommen. Da gelingt. Der Wetterbericht sagt auffrischende und drehende Winde aus Nord auf Ost drehend, gegen 14:00 Uhr abflauend, dann gegen 17:00 Uhr wieder auffrischend. Von See evtl. etwas Regen. Auch das veranlasste uns, zu dem bisher gesegelten Kurs.

Über Hiddensee wird es langsam Nacht, dicke schwarze Wolken ziehen auf, die Sicht nimmt gewaltig ab. Die Seekreuzer sind inzwischen gestartet und die ersten schnellen X 99 –Yachten und offene  Kieltragende Oldtimer haben uns erreicht und überholen uns. Wir versuchen uns immer sehr weit nach Steuerbord im Fahrwasser zu halten, damit sie uns in lee überholen, bei einigen gelingt es, bei anderen nicht. Es wird immer unsichtiger, es beginnt heftig zu regnen. Der Wind frischt auf. Wir können keine Tonnen mehr sehen, der Wind erreicht Sturmstärke geschätzt Windstärke 8. Die Blitze zucken. Das war so nicht angesagt. Wir nehmen das Groß weg, machen mit Besam und Fock über 6 kn, sind schneller als die Dickschiffe, die beim Reffen und Segelbergen in dem engen Fahrwasser so ihre Probleme haben, es besteht erhebliche Kollisionsgefahr. Ohne die Dickschiffe hätten wir aber komplett die Orientierung verloren, da keine Tonnen mehr erkennbar sind. Konzentration auf das Schiff und die Seemannschaft. Hinter uns verliert ein Kutter seinen Mast. Es muss die „Preussen“ sein, waren bis zu dem Zeitpunkt hinter uns Zweiter. Wir machen gut Fahrt, sind aber wohl der einzige Kutter, der sein Groß für uns richtigerweise geborgen hat. Südlich Hiddensee klart es auf. Der Wind gewinnt an Normalität. Wir setzen das Groß, verlieren dabei aber Meter auf unsere Konkurrenten, die sich artig bei uns ob unseres Manövers bedanke. Wir kommen aber gut durch die Tonnenstriche, unser Vorsprung vergrößert sich. Hansi am Ausguck macht sich gut, wir haben nur einmal eine fast unwesentliche Grundberührung. Aus dem Tonnenstrich raus machen wir Fahrt. Die anderen Kutter kreuzen alle in Richtung Ufernähe Westküste Hiddensee. Wir gewinnen  weiter freies Wasser. Die anderen fahren sehr hoch, wenn wir jetzt umlegen, wird es wahrscheinlich eng mit unserem Vorsprung. Wir meinen aber wesentlich schneller zu sein und fahren unseren Schlag weiter. Wir sehen nach einigen 100 Metern guter Fahrt, dass alle in Ufernähe fahrenden abfallen müssen und plötzlich fast in unserem Kielwasser fahren. Top!!! Das heißt, dass wir einen Riesenvorsprung haben, der uns gelassen taktieren lässt. Nördlich Hiddensee dreht der Wind nördlich und nimmt dabei ab. Shit, jetzt können die Verfolger am Wind bzw. Raum auflaufen.

Nach ca. 2 h Fahrt frischt es etwas auf Nach Passieren des Leuchtturmes fahren wir noch ein Stück nordöstlich um an den Teufelsgrund vorbei zu kommen. Dann setzen wir den Spi und gehen im 90° abknickenden Tonnenstrich auf Südkurs wieder in den Tonnenstrich hinein. Östlich Hiddensee am Fahrwasserteiler Spi runter Westkurs, harter Anlieger. Unangenehm weil wir ganz schön knüppeln müssen und uns alle auf der Luvseite passieren ob Motor oder Segelboot. Einer der teilnehmenden Kutter kürzt, wie schon im vergangenen Jahr, zwischen den Strichen ab. Das trauen wir und die meisten anderen sich nicht!!! Gute Karten, GPS, Gewässerkenntnisse??? Wir wissen es nicht – wie schon erwähnt finde ich, dass es ungleiche Bedingungen sind. Für uns egal er Vorsprung ist zwar geschmolzen aber immer noch beruhigend. Irgendwann steuern wir im Tonnenstrich dann wieder um 90° abfallend auf Südkurs. Spi wieder hoch. Wir verspüren Hunger: Es gibt Knobispeck, Bouletten, Eier und einen Schluck Gerstensaft. Mehr lässt der Skipper nicht zu. Ich hatte in aller Eile eine Kiste Flens gekauft, wegen des guten Verschlusses. Lübz hat ja leider die Schraubverschlüsse abgeschafft. Als ich die dann präsentierte erntete ich Beifallsstürme  - ich hatte doch tatsächlich Ammenbier gekauft, an dem keiner Interesse hatte.  Wusste gar nicht, dass die sowas herstellen. Naja, vielleicht werden in Flensburg mehr Kinder gezeugt…..Habe die Kiste dann am Montag wieder umgetauscht, man hatte Verständnis. Das nächste Mal passe ich besser auf, versprochen!

An Bord gute Stimmung, alle geben ihr Bestes. Insbesondere Tüdel am Quirl und Gutschi am Spi. Ca. 6 h Spi fahren erfordern höchste Konzentration.
 
Motorbootfahrer und Segler, Entgegenkommer wie Überholer fahren langsam an uns ran, überholen uns und nehmen erst in gebührendem Abstand wieder mehr Fahrt auf. Wahre Sportsfreunde!!! Nur einer kommt uns mit Vollspeed im Tonnenstrich entgegen. Nimmt kein Gas weg, wir kassieren eine Dusche, mit der Heckwelle, die wir übernehmen haben wir dann ca. 10 cm Wasser im Boot. Pumpen an. Ja, solche Vollidioten gibt es auch in Deutschland! Irgendwie wünscht man sich, dass die See solche Wassersportler abstrafen möge.

Achterlich an Parow vorbei es ist jetzt ca. 15:30 Uhr. Der Vorsprung schmilzt auf achterlichem Kurs weiter, aber nicht bedenklich. Nachdem Parow passiert haben, holen wir uns Druck und segeln näher an den westliche Küste heran. Die anderen tuen es uns gleich. So kreuzen wir dann weiter ab bis in das Ziel. Das wir ca. gegen 18.00 Uhr überglücklich nach 10 Segelstunden erreichen. Wir werden als erster abgeschossen und klatschen uns ab. Gutschi und die gesamte Crew: Well done!!! Einige Kutter kommen ca. 2 h später.

Anlegen, Boot abbauen, ausräumen – alles. Ran an die Zugwaage. Alle Segler schauen interessiert zu, da einige wohl eine zu leichte Kutterdame K 32 erwartet hatten -  nee,  die „Teamwork“ ist genau auf Nullmaß -  1000 kg. Alle staunen. Es gibt tatsächlich leichtere Kutter: Man staunte als ein Holzkutter 980 kg auf die Waage brachte.

Verladen, Abschied nehmen und zurück nach Güstrow, wo ich gegen 21:30 Uhr aufschlug und todmüde in die Koje sank. Vorher aber noch einen verdienten Absacker genossen.

Eine tolle Tour, ich freue mich, wenn ich denn darf auf eine nächstes Mal.

Carsten Jansen






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