Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V., An den Bootshäusern 13, 18273 Güstrow info@wvg1928.de

80 Jahre Pirat – ein Kreis hat sich geschlossen

von Carsten Jansen

Ein Kreis hat sich geschlossen!? Da werden sich einige Leser (wenn der Bericht denn überhaupt gelesen wird) fragen: Warum?
Ja, warum.

Da muss ich etwas weiter ausholen in das Jahr 1985. Da sind nämlich Titus (Dietrich Rist) und ich mit meinem damaligen Boot Pirat 2207 nach Ungarn gefahren,  um dort an der Ungarischen Meisterschaft teilzunehmen. Eingefädelt hatte das Manuel Stiff aus Münster, der nach einigen Briefkontakten ab 1981 beginnend, dann einige Male bei uns in Güstrow war und sich daraus eine interessante Freundschaft entwickelte, die bis heute anhält. Nun also nach Ungarn ohne Erlaubnis des DTSB, die wir benötigt hätten. Am Start waren außer Ungarn auch Schweizer, Österreicher, Tschechoslowaken und halt wir. Manuel hatte uns ein Westrigg mitgebracht, das wir auf unser Boot bauten, mit Mastklotz unterm Mast, da die Böden ja bekanntlich etwas anders gestaltet sind (selbstlenzend - also höher). Damit segelten wir dann die Ungarische Meisterschaft und belegten unter fast 90 Piraten einen Platz irgendwo im Mittelfeld. Das Entscheidende aber war, dass wir auch die Führung der Piraten aus der Bundesrepublik kennenlernen sollten, was wir auch taten. Frank Soltau als damaliger Präsident der Klassenvereinigung der Piraten und Helmut Loos (damaliger Klassenvermesser) waren neben vielen anderen die beiden absoluten Macher der Piratenszene West. Unser erstes Treffen im Segelclub in Siofok hat sich unvergessen in mein  Gehirn eingebrannt. Auch daraus entstand eine bis heute anhaltende Segel- und Piratenfreundschaft. Frank als Schotte und Helmut als Steuermann segelten 1985 in Ungarn das Boot „Al Quahira“ Pirat Beil 3737. Dieses Boot segelten sie als Mannschaft von 1984 bis 1992, Eigentümer war Frank Soltau. Dann war das Boot auf dem Dieksee zu Hause, Frank widmete sich mehr seiner Familie, bis er im Jahr 1999 auf Grund einer Erkrankung viel zu früh im Alter von 44 Jahren von uns ging. Das Boot wurde nicht mehr intensiv gesegelt. Bei Brigitte Soltau hatten alleinstehend mit zwei Kindern andere Dinge Vorrang. Irgendwann landete das Boot in Schwerin vermittelt von Mimö (Michael Möller) zu Reparaturen in den Händen von Heiko Grambow. Just in diesem Jahr 2018 beauftragte Brigitte Soltau Heiko, das Boot an einen Verein zu übergeben, der Jugendarbeit macht und in besonderem Verhältnis zu Frank stand. So stand das Boot dann plötzlich in diesem Frühjahr auf unserem Vereinsgelände. Als ich Helmut Loos das mittteilte, reagierte er spontan: „Toll, ich meine,  wir beide sollten zum 80 - jährigen Jubiläum des Piraten  in Berlin dieses Boot segeln“. Uff wieder eine Aufgabe mehr. Aber eine reizvolle und würdige.

So gesehen hat sich bis hierher der Kreis fast geschlossen. Nun mussten wir nur noch in Berlin segeln. Ja, was in Ungarn seinen Anfang genommen hatte, sollte nun in Berlin mit Helmut, leider ohne Frank, beendet werden. Frank war dann aber doch während der ganzen Zeit sowohl an Bord und als auch an Land mit dabei, denn viele unserer Gespräche drehten sich um diese Zeit. Er war präsent – unvergessen für uns beide.  Was hatten wir in dieser kurzen Zeit des gemeinsamen Weges doch so unglaublich vieles tolles erleben dürfen. Unvergessen!

Ja, wie bereits erwähnt, mussten wir ja erst mal nach Berlin und segeln, damit der Kreis ein Kreis werden würde.  Ich bastelte neben den prioritären Vereinsaufgaben der Toilettensanierung ein wenig am Boot, um es wenigstens so zu gestalten, dass man Schwachwindregatten überstehen konnte. Dann wurde das Boot auf den Doppelvereinstrailer verladen, ein anderer stand nicht zur Verfügung. Vorher musste die gerade aus Versehen kaputt gegangene E-Anlage im prädestinierten Autohaus Mitte (Molles Firma) repariert werden. Top - noch eine Aufgabe mehr. Dann am Donnerstag um 09:30 Uhr rollte Helmut in Güstrow an. Er musste unser Teamworkschlafquartier nach Berlin überführen, ich hatte den Trailer im Schlepp. So erreichten wir nach ca. 3,5 h Autofahrt ohne größere Staus den Ort des Veranstalters BTB in Berlin Köpenick Grünauer Str. 211. Die Adresse aller Jubiläumsveranstaltungen beginnend ab dem 50 Jubiläum und dann im Abstand von jeweils 10 Jahren bis hierher. Vor 10 Jahren waren wir also das letzte Mal hier vor Ort. Balin, Balin wat haste dir verändert. Ich sehe auch hier durchaus die prophezeiten blühenden Landschaften, aber vielleicht habe ich auch einen anderen Blickwinkel.

Kaum angekommen mussten wir sofort Schlafquartier platzieren, Trailer entladen, usw. Aber Hanne platzierte mich bei meinem Käptn von der „Teamwork“, sehr weise, denn so kam ich trotz aller Hektik schnell zu meinem Ankommermineral. Weise, sehr weise. Danke Hansi!

Hannes Organisation (Hanne Bauditz war der Hauptorganisator der Veranstaltung) lief präzise wie ein Uhrwerk. Erstmal Platz schaffen war oberste Devise, Begrüßen könnt ihr euch später. Stimmt! Es war alles richtig, aber ich hatte trotzdem mein Ankommer aus der Hand unseres Kutterkapteins genießen dürfen... Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie das Boot abgeladen wurde, der Trailer verschwand, das Boot auf dem Sattelplatz seinen Platz fand, gefühlt 1000 helfende Hände…na ja wir gehören wohl inzwischen, auch wenn wir es nicht wahr haben wollen, ungefühlt zur älteren Generation, denen man gerne etwas unter Arme greift. So denken wohl die Jungen. Na ja Helmut tut dazu ja auch sein Übriges. Aber so kann man Helfer bewegen. Auch nicht schlecht. 1000 Dank an selbige, das war alles vom Feinsten und total ok.

Boot aufriggen und auftakeln mussten wir  allerdings alleine, alles andere wäre ja auch wohl zuviel verlangt.  Der Wetterbericht hatte ab 17:00 Uhr (jetzt war es ca. 15:30 Uhr) im Raum Berlin mit Starkregen und Gewittern gedroht, wir mussten also bis dahin in etwa mit dem Aufriggen und Abdecken des Bootes fertig sein. Vorweg: Das schafften wir auch, trotz aller Handicaps. Der Regen kam dann und hielt auch eine Weile durch, mal stärker mal schwächer eine echt willkommenen Abkühlung an diesem Sommertag im Frühling.

Aufriggen Segel hoch…shit wir können es nur bis zum Wantenbeschlag hochziehen, weiter geht nicht. Auch mit gutzureden, Blick zum Himmel, Solomon hilf, nichts, gar nichts rührte sich. Wir standen jetzt echt unter Druck! Ja Helmut mit der Molle oder dem Schoppen wird es wohl so schnell nichts. Mast runter. Ohne Last läuft alles wunderbar, mit Last geht gar nichts. Großfall raus, Hilfsschnur drin gelassen, Großfall außen führen geht auch. Mastfall auch Shit, aber das konnten wir schnell umtrimmen.  Superfock von Vogelmeier, dito Spi aber ganz wichtig Segel von Clown Baujahr 1998, steht gut, ist wohl wenig gesegelt worden. Topmaterial - aber alle Strecker, Topnant, Niederholer, Segelstrecker u.a.m. sind Provisorien. Die halten ja bekanntlich am Längsten. Also eine echte Baustelle. Helmut ist ein wenig Depri, aber wirklich… mehr war von meiner Seite nicht drin. Wie gesagt Toilettenvorrangprioritäten des WVG 1928 e.V. ließen nicht mehr zu. Aber dafür natürlich Topleute an Bord (he Eigenlob stinkt, aber vom Alter her waren wir tatsächlich top, wie sich später herausstellen sollte), die so noch nie zusammengesegelt hatte. Ich habe wohl ca. 60 Jahre nicht mehr an der Piratenfockschot gezuppelt, geschweige denn Spi gefahren. Aber es geht ja um die Teilnahme, um die Sache!!! Flagge zeigen!!! Dabei sein ist alles!!!

Plan A: Wir gewinnen, die Wahrscheinlichkeit ist eher gering.
Plan B: Wir gewinnen nicht, bemühen uns aber alles zu geben.
Plan C: Sturmvariante – wir müssen wenigstens einmal über die Startlinie gehen,  um gewertet zu werden.

Soweit zum Segelplan. Monika hatte zwischenzeitlich das Teamworkschlafquartier in ein Luxusdreisterneteamworkschlafquartier umgewandelt. Resultat: Ich fand nichts mehr wieder! Meine für andere gefühlte Unordnungsordnung war völlig zerstört worden. Ich war sozusagen im Finden irgendwelcher bedeutender und unbedeutender Dinge wie Unterhosen und Bier und Zahnbürste und Handtuch und und  und völlig auf meine liebe Frau angewiesen. War wohl Absicht!

Na ja, da sie ja nicht von meiner Seite wich, war das ja alles kein Problem. Begrüßungen über Begrüßungen. Ja, solche Jubiläen haben es in sich und dafür sind sie ja auch da. Schön, die alten Piratenkämpen wiederzusehen, wenngleich sich doch einige vor dem Jubiläum gedrückt hatten. Na ja, vorab: Ihr habt etwas echt Einmaliges versäumt! Denn ein 80. Jubiläum der ollen dollen Knickspantjolle gibt es nie, nie wieder!!! Und so jung, wie wir alle dort zusammengekommen sind, sind wir alle auch nie nie wieder.

Es hatte 66 Piraten gemeldet. Und sage und schreibe 65 Piraten gingen dann auch an den Start. Tolles Ergebnis!!! Anmeldung, Willkommens- und Teilnahmepräsente und ganz wichtig die Segelanweisungen in Empfang nehmen. Mit den Kondomen wusste ich ja noch was anzufangen (als Auftriebsbehälter im Piraten sind die Top!)  aber mit dem Astrapils weniger. Danke für alles. Das Handtuch wird mich begleiten. Da nur mein Kutterkäpt‘n Hansi in der Kuttercrew  ein solches hat, ist die Wahrscheinlichkeit der Verwechslung auf 50 % gefallen (Naja, vielleicht geht Wahrscheinlichkeitsrechnung doch etwas anders…). Die anderen vier vom Kutter hatten sich ja auch gedrückt. Nein stimmt nicht ganz. Unser Rangsdorfer Ersatzbesaner, das Sorbische Integrationswunder Lupo, war tatsächlich mit dem Bernd Anderssohn einer der Wenigen, nein sie waren die einzigen Sorben. Hattet ihr Angst vor evtl. ausländerfeindlichen Übergriffen,  ihr, die ihr aus dem Sorbenlande nicht präsent wart. Aus Güstrow waren  wenigstens 10 Aktive da (zugegeben auch zu wenig! aber immerhin) und die waren teilweise aus staugefühlten tausenden km Entfernung angereist. Na ja Kritik beiseite, die hatten wohl ihre Gründe, wie: Omas 100. Geburtstag, Hamster vonne Tochter von abstürzender Drohne erschlagen, Mutti möchte shoppen gehen, Herrentag feiern usw.

Ja, es wurde ein schöner Abend. Segelanweisungen studiert. Kurse auf dem Langen See einfach. Drei Bahnmarken + berühmte BTB - Bahnmarke. Mitunter sind die Kurse auch völlig gleich. Der Test bei der Eröffnung war ein totaler Schuss in die Zehn. Hat super geklappt.  . Die BTB – er waren sehr umsichtig und erkundigten sich des Öfteren gerade bei uns alten Herren, ob denn alles in Ordnung sei. Danke auch dafür!

Nächsten Morgen tolles Frühstück von rührigen (im wahrsten Sinne des Wortes, denn es gab auch Rühreier) umsichtigen BTB-Damen. Das war an allen Tagen so. Auch dafür ein danke, nein ein Mehrfaches danke!!! Wir wissen euer Engagement zu schätzen!!!

Eröffnung Karo einfach, knapp, kurz und treffend. Flade (Thomas Flach) als Vereinsbesitzer ist ein Mann der kurzen Worte. Er könnte auch glatt ein norddeutscher Küstenmensch sein. Dann hat Keule (Ralph Jambor) als unser Wettfahrtleiter das Wort. Alles Nötige wird erläutert. Dito kurz, knapp, treffsicher. Anfragen werden prompt mit der nötigen WFL-Ruhe beantwortet. Dann geht es raus. Ein trüber verhangener Freitag. Wir werden geschleppt, müssen geschleppt werden, weil auf der Grünauer Ruderregattastrecke das Kreuzen verboten ist. Schwachwindig, Tendenz gleichbleibend. Gut für das Team des Piraten 3737, denn wir bestaunen etwas skeptisch unsere Provisorien. Werde die wohl halten? Sie hielten. Wenngleich das Großfall immer etwas rutschte. Wir hatten uns schnell eingespielt. Es ging viel besser als Helmut orakelt hatte. Ich fühlte mich sauwohl als Focker. Staunte was Knie so  aushalten können. Ich hatte die ErfolgerprobteRainerPäßlerischeRennhaltung eingenommen. Die klappte auch aus meiner Sicht gut, weiß ja nicht was Helmut davon hielt. Na ja, wie sagte unser guter alter Schwaben Wilm immer: „Nicht geschwätzt ist Lob genug“! So hielt Helmut das dann wohl auch. Wir als zwei Steuerleute waren uns erstaunlich einig, nur einmal wäre ich weitergefahren. Dazu später, wenn ich es denn bis dahin nicht vergessen habe…man wird ja schließlich älter….

1. Wettfahrt: Kurs 2 : BTB – 1 – 2 – 3  – 2  Ziel (alle BM Bb).  Start nach Startverschiebung fast wie vorgesehen. Wind frischt etwas auf, gefühlt  2,15 Bft, Wind kommt im Moment des Starts aus Richtung Regattastrecke Grünau. BTB-Bahnmarke liegt direkt davor. Start mittelprächtig, aber Nachstartphase toll. Es läuft viel besser als gedacht. Man kann Helmut die Erleichterung anmerken. Wir kommen relativ gut platziert um die BTB-BM. Dann geht es achterlich zur  den langen See herunter. Mal achterlich mal Raum, mal Anlieger mal harte Kreuze, 100 m weiter wieder  Spi, Striche, Brisen Wind frischt leider ab. Mal haben wir Glück, mal die anderen, dann wieder wir. Wenn‘s nicht so läuft -  Bemerkung von mir: Ich glaube wir sind zu schwer. Helmut sagt nichts. Ist wie‚ `ne Bestätigung. Das ist der lange See in Vollendung. So geht es 1 - 1/2 Stunden lang. Zieldurchgang an der drei. Am Ende sind die vorne, die fast immer vorne sind.  Nein, Simone und Silke gewinnen. Kein Wunder Boot wurde von Butze eingetrimmt. Wo ist der denn überhaupt, der Warnemünderwochenalleinabsager…drückte er sich etwa vor der Absagekritik??? Zweiter Ines und Harpo. Dritter Peter und Peter, sechster Jensimann mit Paule. Wir werden 19: Tolle Platzierungen – wir sind stolz wie Bolle. Dann zu TSG 1898. Schönes Objekt, tolle Gastfreundschaft. Backen und banken. Erbseneintopf mit Bockwurst  - lecker (Kosten trägt der Veranstalter), Mineralisches Aufbaugetränk schmeckt phantastisch! Bis alle abgefuttert sind,  sind zwei Stunden vergangen. Irgendwann geht es wieder raus.

Nächster Start geplant um 15:00 Uhr. Startvorbereitungen laufen. BTB - BM liegt vor Anlegesteg TSG 1898. Wind hat gedreht - totaler Anlieger. Ankündigung wird gegeben. Da fährt der Jensimann am Startschiff vorbei und fragt den WFL, unseren Keule, etwas süffisant „ Sage mal, wo liegt denn eigentlich die Kreuztonne, soll das die linke oder die rechte sein?“. Es war die rechte. Daraufhin bricht Keule das Startverfahren mit AP ab. Wind wird drehiger und leider weniger. Irgendwann so gegen 16:00 Uhr AP über H. Ab in den Hafen. Eine volle Stunde im Schlepp. Wir bestaunen die tollen Wassergrundstücke, die tollen Sanierungen und die Millionenschweren Glaskastenneubauten und freuen uns des Lebens und darüber, dabei sein zu dürfen. Die Slipcrew steht parat, die Boote werden rasant aus dem Wasser gerissen. Ein Anlegermineral, vielleicht auch zwei oder drei. Dann wird uns Herrentagskuchen von Peter, dem Kleinen, gebacken von Marie für ihren Papa zum Herrentag angeboten.  Toll, toll Marie, der hat supper geschmeckt! Boot präparieren, nicht ganz so wie Peter und Peter mit ihrem Superharpoluxusrubbelfeinborstenfeudel. Aber ausreichend (wir). Ab zum Luxusdreisterneteamworksuperschlafquartier. Duschen, frisch machen und dann,  gerade als ich das Radio anmachen wollte klampft der grüne T5 Fahrer uns gegenüber, der mit seinem Sohn mitsegelt auf der Gitarre leise vor sich hin,  vom Allerfeinsten. Ich lasse das Radio aus und lausche den Klängen. Später, als er fertig ist, kommen wir ins Gespräch. Auf meine Bemerkung: Du könntest dein Geld auch leichter verdienen, wobei ich ja gar nicht weiß, wie leicht er sein Geld verdient, verrät er mir, dass er als Student wirklich damit Geld verdient hat. Gekonnt ist gekonnt, wie ich als alter Stonesfan sofort gemerkt habe. Aber ich erfahre noch mehr und andere Mithörer auch Ein sehr angenehmer Zeitgenosse und dazu noch Piratensegler. Und dann noch mit seinem 13-jährigen Sohn Finn. Das lässt für die Zukunft des Piraten hoffen!!!

Abendveranstaltung: Lecker Büffet der BTB- Gastgeber. Es hat alles super geschmeckt. Vor allen Dingen die Buletten, na ja wir sind ja schließlich inne Hauptstadt namens Berlin, sind Extraklasse. Alles andere aber auch. Dazu Gespräche und eine Ode der Extraklasse an den Piraten über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges durch Dr.Klaus Müller. Wir erinnern uns gerne an 50, 60, 70, Jahre Pirat bei BTB und 75 beim TSC. Alles waren Veranstaltungen der Superlative. Am kribbeligsten war sicherlich die mutige Veranstaltung anlässlich 50 Jahre Pirat  1988. Dort waren erstmals die Piratenoffiziellen der damaligen Bundesrepublik und der International Pirat Association mit Jörg Breckwoldt, mein jetziger Steuermann Helmut Loos, Stephan Merkli (Schweiz), Frank Soltau und andere präsent. Keiner wusste, dass wir wenige Monate später die Piratenvereinigung Ost und West symbolträchtig am Brandenburger Tor feierten. Der Abend klingt im Luxusdreisterneteamworksuperschlafquartier mit Besuch und Absacker aus. Viel hätte nicht gefehlt und Paule hätte sich in mein Bett gelegt und ich vor das Quartier. Die Moral von der Geschicht: Trink zu fortgeschrittener mit Paule einen Absacker nicht.

Dann doch noch die Heia zurückerobert. Und murmelig dem zweiten Segeltag entgegengeschlafen. Früh Upstoan, wie in MV so üblich. Waschen und schick machen, Boot abdecken, Fock hochziehen. Ziel: Entlastung des Steuermannes, der soll sich auf das Segeln konzentrieren. Dann Backen und banken. Wieder sehr gut alles. Ab zum Kahn segelklar machen, slippen und dann im Schlepp auf den Langen See.

2. Wettfahrt: Kurs 5: Start – 2 – 3  – 2  – 3 – Ziel (alle BM Bb), Wind schwach bis schwächer. Nach einigem Warten dann doch die mutige Entscheidung anzupfeifen: Winddrehung, Startverfahren wieder abbrechen, Startschiff und Leebegrenzung der Startlinie etwas korrigieren, Start: Einzelruckruf, wir konnten das mit unserer bescheidenen Position nicht gewesen sein. Wir konnten eh nichts sehen. Ab in Richtung BM 2 am Ausgang des langen Sees in Richtung Süden. Es war schlichtweg alles möglich wir kreuzten, fuhren achterlich, raumschots manchmal gar nicht, manchmal rückwärts. So recht hatten wir den Dusel nicht gepachtet, gefühlt eher mehr als das Gegenteil. Wir griffen von einer Schei… in die Andere. Da fluchte manchmal einer dicht in meiner Nähe, saß der vielleicht sogar mit an Bord? Ich brachte alle meine Mediatorkünste auf: Ist doch trotzdem schön, olympischer Gedanke, dabei sein ist alles, sind wir doch, herrliches Wetter, wunderbare frische Luft, zu Hause hättest du Muttis Wünsche erfüllen müssen, tolles Sightseeing hier, weißt du noch damals, wann warst du eigentlich Deutscher Meister?, guck mal wie die anderen gerade hängen bleiben (verschweige natürlich, dass wir es auch gerade tun, hat der alte Fuchs natürlich auch längst bemerkt),  wir erwischen auch gleich einen Windstrich, guck mal da kommt er (kam aber nicht) – Thürmer hätte längst gesagt: Halt deinen Sappl! Helmut hörte sich meine „Aufmunterungen“ geduldig an, und sie zeigten Wirkung. Es war ein tolles Segeln. Um die BM 2 gingen wir gefühlt als 40. Dann sahen wir auf dem Weg zur BM 3 was alles seglerisch auf dem Langen See möglich ist, tatsächlich einfach alles!!! Deshalb können die Kämpen von diesem Gewässer so exzellent damit umgehen und das dann auch auf anderen Gewässern so gut anwenden. Uns fahren so einige vorbei. Aber dann erwischen wir ein Ding, nur für uns und wir fahren uns entschuldigend an einigen rasant vorbei, den Rest an Metern schiebt die Masse des Bootes, nicht die der Besatzung du Blödmann,  an Vorsprung heraus.  Liegen die BM 3 mit großem Bogen fahrend an. Runden, Spi hoch, da knallt es. Ich höre: Kurva, Kurva. Shit hatten wir doch glatt übersehen, die uns entgegenkommenden Tschechen und so hatten wir klassisch mit StB oder Wind von Bb, den Wegerechtsinhaber gebumst. Spi gleich runter, Helmut machte Kurva, Kurva bei diesem Schei…wind und das gleich zweimal. Ruhig bleiben Carsten. Shit hatten gerade Tuchfühlung zu 20 Piraten, die wir mit großer Sicherheit alle noch vernascht hätten (träumen ist  ja wohl noch gestattet ;) ). Und nu, statt 20 zu überholen, müssen wir uns den Verfolgern widmen. Nach wieder langen Minuten nähern wir uns  der BM 2. Aha, Bahnverkürzung. Wir gehen als gefühlt 40 bis 50 über die Ziellinie. Das war ja eigentlich so schlecht nicht, gemessen an unserer Gesamtzielstellung (oder hatten wir zwischenzeitlich den Anspruch höher geschraubt???). Vorne konnten wir nicht so richtig verfolgen, aber Ines und Harpo haben das Ding wohl eingefahren, auch Hegi und Matthias, Kalle und Gabi, Bernd und Burkhard, Simone und Silke kamen irgendwie da vorne an. Überraschend allerdings Heino und seine Vorschotfrau Emma Leja auch vorne. Simone und Silke waren aber leider Frühstarter. Ohne Streicher absolut Shit.

Wieder Mittagstisch bei TSG. Schmeckt suuuper! Dazu das ein und andere Mineral. Dann begrüßen wir noch den Altmeister Dieter Nordhoff (Beil 91) mit Fru, Altmeister Eckhard Bierbrauer (Beil 1814)und seinen altgedienten Schotten. Kurzer Schnack, Ausflug in die Vergangenheit. Ja, sie waren noch zu erkennen und alle topfit, eigentlich noch voll im Saft stehende Segler. Sie wollten sich die Nachmittagswettfahrt anschauen. Wir auch, aber aktiv. Die auffrischenden Mittagswinde nutzten wir zum Rausfahren. Dann wieder alles weg an Wind. Wir dümpeln. Schlepp und ab auf den Seddinsee. Sieht seglerisch hier viel besser aus. Trotzdem warten wir eine Weile. Dann kommt Bewegung in das Startschiff.

3.  Wettfahrt: Kurs 7 Up and Down ohne Tor 2 mal. Altdeutsch modern. Start gegen 15:30 Uhr. Allgemeiner Rückruf. War klar, Leestartlinienbegrenzung lag zu hoch. Ich glaube beim 2. Start zur dritten Wettfahrt immer noch etwas zu hoch, trotz Verholung. Wind frischt schön auf. Das Feld ist nervös. Black Flag, gefährlich. Wir wollen auch gut starten, haben manchmal Bedenken, blöde Position zu erwischen und rüber gedrückt zu werden. Helmut vermeidet das mit meiner Hilfe gekonnt. Start Nicht so dolle, aber wieder prächtige Nachstartphase. Dat löppt up rechts, wie de Meckelbörger seggt. Wir fahren, gutes Gefühl, top, es sieht immer  besser aus. Aus dem Mittelfeld fahren wir unter die ersten zehn. Und hier ist die Stelle, wo ich weiter gefahren wäre; denn wir machen unsere Wende 10 bis 20 m zu früh. Ja da fehlt halt die Kuttererfahrung. Lieber etwas weiter gefahren. So müssen wir vor der BM 1 noch eine Wende fahren, und gehen statt als sechster als neunter um die BM und können unseren Kurs  nicht mehr selbst bestimmen. Gehen auf rechts zur Mitte tendierend auf die Achterliche. Viele Shiften, meine Manöver sind lahmarschig, aber auch oder natürlich nur den Provisorien geschuldet. Sonst…..ha, hättet ihr aber geschaut und heimlich trainiert, um euch nicht von den Oldies was vormachen zu lassen. Ja, wir gehen noch akzeptabel um die Leebahnmarke, aber bei auffrischenden Wind merken wir unsere Defizite. Wir werden 18. Sind wieder stolz wie Bolle. Am Zielschiff sehe ich, dass mindestens 8 bis 10 Boote ein BFD eingefangen haben. Das hilft uns, aber schön ist das nicht. So kommen wir sicherlich gut in der Gesamtwertung unter die ersten zwanzig, sonst vielleicht 30. Auch damit wären wir hochzufrieden gewesen. Leider auch Jensiman und Paule dabei. Auch Peter und Peter hatten es irgendwie verstanden immer die falsche Seite zu wählen.

Aber egal, das Segeln auf dem Seddin war endlich echtes Segeln, es hat Spaß gemacht, ja super viel Spaß gemacht.  Eine vierte Wettfahrt gibt es aus zeitlichen Gründen nicht mehr.

Dann warten wir auf den Schlepp. Die Wettfahrt haben Kalle und Gabi gewonnen, Ines und Harpo waren zweite, toll nach vorne haben sich Heino und Emma Leja gefahren. In der Endabrechnung wird es wohl spannend, mit Ausnahme von Ines und Harpo, die wohl klar gewonnen haben dürften, denn auf der Tafel standen sie  nicht. Irgendwann kommt ein Schlepp mit Motorbootführer Dr. Klaus Müller und Flint an Bord. Wir fahren bei besten Wetter und Sonnenschein wieder `ne lockere Stunde back home und erfreuen uns einmal mehr unseres Daseins. Habe leider auf Wunsch eines einzelnen Herrn am Quirl kein Heimkommermineral an Bord. Ja, es gibt halt wichtigeres im Leben. So ertränke ich mich in gefühlt 5 l Wasser. Jedem das, was ihm verordnet wird. Bin frisch wie ein Fisch. Das Schleppmotorbootrennen um die ersten am Slip verlieren wir gegen Bommel vom „Brommel“. Der hat halt mehr Musike drin. Obwohl sich Klaus bemühte ihn am Schmalstreifen beim Yachtclub Wendenschloss (Früher Einheit Berlin Mitte - gewaltige Erinnerungen werden wach) an Land zu drücken, klappt nicht. Trotzdem sind wir frühzeitig aus dem Wasser. Die Slipwagencrew ist wieder top drauf. Wir fliegen aus dem Wasser dem Anlegermineral entgegen. Tolle Regatta - Helmut stolz, ich stolz.

Der Kreis hat sich nun geschlossen. Danke Frank, Danke Jörg, Danke Manuel, Danke an alle, die ihr bei der Vereinigung der Piraten aus Ost und West, die weit vor der deutschen Vereinigung stattfand, dabei wart. Sie fand schon 1985 in den Herzen statt und hat gehalten und wird halten solange wir atmen. Carsten nicht pathetisch werden, aber egal ich fühle so!!!
Abriggen, wir beschließen in aller Ruhe am Sonntagmorgen zu verladen. Gut so.

Da schlägt Heiko Prade auf, wir schwelgen in alten Zeiten, unterhalten uns auch über Mimö, der eine Woche später im Alter von 50 Jahren von uns gegangen ist. Nicht so prickelnd die Umstände  - Goode Wind Mimö!

Keine Hektik, wir genießen den Ausklang des Tage bei Klängen der Bockbierblues Band. Texte toll, Musike toll, aber sie waren lauter als die Rolling Stones. Keine Gespräche möglich. Anne schmeißt auf Grund ihre Geburtstages ein Fass Bier (wie haben die Erzeuger das vor einigen Jahren nur so genau getimt, dass genau auf dieses Jubiläum der Geburtstag der Präsidentin fällt….Das müsst ihr uns verraten, (wenngleich ich so etwas nachzumachen nicht mehr vorhabe…Angeber). Die Leute vom Tresen waren Extraklasse, eure Mischungen haben geschmeckt!!! Leider kommt unser Nachbar, der vom grünen T5 mit seiner Klampfe nicht mehr zum Einsatz, hätte ihn gerne noch gehört, ich glaube ein paar andere auch. So klingt der Abend dann aus, dieses mal ohne Besucher.

Ich in aller Herrgottsfrühe hoch, frisch machen, Hänger suchen. Gelingt mir anhaken, auf den Sattelplatz. Dann Backen und Banken! Dann Bezahlen. Tolles System ich war Anton 6.

Dann verladen. Einige nette junge Leute helfen den Oldies. Boot verladen verzurrt. Abfahrbereit. Dann das Luxusteamworksuperschlafquartier bei Helmut angehängt. Auch abfahrbereit. Die Vorbereitungen für die Siegerehrung laufen auf Hochtouren. Dann pünktlich um 11:00 Uhr ist es soweit. Die Siegerehrung: Würdevoll, angemessen und natürlich, wie sollte es anders sein,  es wehte eine frische schöne Brise. Wir hatten genau die zwei Tage zwischen dem Wind erwischt. Für uns Oldies war das vielleicht nicht das Schlechteste.

Keule als WFL ließ sich vertreten, da er auch wieder aktiv segeln war. Flade sagt etwas mehr zum Abschied, blieb sich aber treu - kurz, bündig, treffsicher. Dann nehmen der stellv. Wettfahrtleiter sowie Hanne und Anne die Siegerehrung vor. Von hinten geht es los. Jeder bekommt eine Urkunde und für besondere Vorkommnisse gibt es Preise wie auch jeder Zehner, oder die jüngste oder die älteste oder die Weitgereistesten und und und Preise bekommen. Es gibt nette gebrauchsfähige Preise. Auch wir als Oldies, ja wir beide sind mit 140 Jahren Lebendgewicht  tatsächlich die Ältesten bekommen eine phantasievolle Piratensicht auf Metall (was heute so alles möglich ist…). Mein Gott, ich habe noch Preise zu Hause, da war ich der jüngste Teilnehmer. So haben sich die Proportionen also verschoben….Aber so ist ja der Lauf der Dinge!!! Hegi wird übrigens als bestplatzierter Teilnehmer der vier Jubiläumsveranstaltungen geehrt. Ich glaube Platz 5, Platz zwei, Platz sechs und jetzt wieder Platz 5. Das über 30 Jahre bei doch großen Feldern. Lupo und Bernd aus dem Sorbenlande belegten wie vor zehn Jahren wieder Platz 17, auch eine hingezirkelte Leistung. 5. werden Detlef Hegert /Matthias Haase, 4.Bernd Höft/Burkhard Rieck, 3. Kalle und Gabi Wildt (auch Hut ab!), 2. Der Hammer Heino Leja/Emma Leja und Platz eins für Ines Pingel-Heldt/Thomas Heldt. Viel Ruhm und Ehr und viel Hackebeile für die Sieger und Platzierten und den Veranstalter mit seinen vielen Helfern und Sponsoren. Die Sponsoren könnt ihr woanders nachlesen, die habe ich nicht behalten. Da Flade zum Verlesen schon eine gefühlte halbe Stundegebraucht. Fazit: Eine tolle und liebevolle vorbereitete und durchgeführte Veranstaltung, die aus dem Herzen getragen wurde. Dafür gebühren euch tausende Dankesbeile auch aus dem Herzen getragen. Hoffentlich gibt es ein 90-jähriges, hoffentlich kann ich dabei sein.

Nach der Siegerehrung die Verabschiedung und ab auf die Piste. In Köpenick noch Luft tanken an so einer neumodernen Lufttanksäule. Mein Gott ohne die Tankfrau hätten wir da wohl noch Stunden gestanden. Ich hatte mir doch zu allem Überfluss eine Leichtbauschraube in den Reifen gefahren. Natürlich auf dem Gelände des WVG, denn dort bauen wir ja gerade. Damit war ich dann nach Berlin und auch wieder zurück gefahren, zwischendurch immer Luft holen nicht vergessen. Ich dachte eigentlich, das Ventil hätte eine Macke. Wie sich in Reifenfirma herausstellte war es aber anders.

Wir kamen ziemlich staufrei, nein, wir rollten eigentlich immer in Güstrow gegen 16:00 Uhr an. Geschleppte Hänger abstellen. Verschnaufungskäffchen. Verabschiedung von Helmut und Brigitte, denn die mussten ja noch nach Nenndorf/Rosengarten, südlich von Hamburg. Das klappte wohl auch einigermaßen. Andere Hamburger sollen 7 h gebraucht haben. Da fragt man sich: Müssen denn alle Auto fahren? uns mal ausgenommen, denn wir müssen ja, wenn wir segeln wollen auf solchen Jubiläums-und anderen Veranstaltungen.

Fazit: Danke Helmut, danke ihr BTB-ler, ich stolz dabei gewesen zu sein!!!

Carsten

PS: Ich schreibe diese Segelberichte so als Art Tagebuch für mich. Soll keien Berichterstattung sein. Es sei denn wir werden mal wieder Dritter. Also ich will keinen vernachlässigen, keinem auf den Schwa… äh Schlips treten -  Goode Wind!

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