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von Carsten Jansen

Am Freitag den 25.05.2018 heiß es auf nach Zingst, diesem seinen Charme verlierenden Kleinod zwischen Ostsee und Barther Bodden. In Zingst wird zuviel und offensichtlich ausufernd gebaut. Schade drum, hier wurden, wie anderenorts auch, alle Warnungen in den Wind geschlagen. Es ist der Ort, bzw. dem Gewässer für mich vor einigen Jahren die Kuttersegelei auf der „Teamwork“ begonnen.

Auch dieses Mal wollte die Teamworkcrew beim 12. Harry-Wallis-Gedächtnispokal, ausgerichtet vom Seesport-Verein Zingst e.V., nicht fehlen. Hansi mit Fru (Stürmann), Lupo mit Frau (Besaner) und Carsten (Groß) setzten sich am Freitagmittag (02.06.2017)  in Bewegung, um das wunderschöne Zingst auf dem Fischland Darß  anzusteuern. Lupo kam allerdings aus dem etwas weiter entfernten aus Cottbus angereist. Später stießen dann Tüdel mit Monsche (Spifahrer) und Volker (dieses Mal Vorschiff) dazu, denn Gutschi musste ausnahmsweise mal am Sonnabend in der Firma ran. Aus Teterow waren von unserem Nachbarverein dem Seesportverein Teterow e.V. die „Resi“ mit Steuermann Hubert Zisch und die „Poseidon“ mit Steuermann Heiko Otte dabei.

Walter sollte, wie immer, am nächsten Morgen, nachdem er das letzte Teterower Hechtbrötchen aus dem Ofen geholt hatte,  zu uns stoßen, um an den Genua,- Fock- und Barberholerstrippen ziehen. Und natürlich auch am Schwertfall, in diesem Jahr repariert.

Hansi war wieder einmal vor mir eingetroffen hatte bereits geslippt und die freundlichen Hexenfahrer aus Leipzig hatten unseren Kutter zum Verein geschleppt und uns so eingeparkt, das der sonst übliche vor dem Aufstehen – Schlag ausfallen musste. Wir waren einfach zugeparkt. Als ich eintraf, saß Hansi schon bei den Leipzigern, sie hatten ihn aus Dank dafür, dass sie unseren Kutter schleppen durften zum Mineralischen Aufbaugetränk eingeladen. Gleiches wiederfuhr mir auch. Danke euch netten Nordlandfahrern aus dem fernen Süden. Es hatten sage und schreibe an die 20 Kutter gemeldet, ein starkes Ergebnis! Das Revier verträgt das allemal. Wir bauten den Kutter auf, irgendwann tauchte Tüdel auf, dann Lupo und noch später Volker. Es war kühl hier in Zingst, wesentlich kälter als in Güstrow, Teterow und Laage. Aber diesen Dingen schauen wir Segler gelassen entgegen, wir sind vorbereitet für alle Wetterlagen. Nur Tüdel hatte außer Ölhosen keine langen Büxen mit.

Segelanweisung studiert. Na ja, auch in der Kutterszene sollte man nicht nur partiell den WR der World Sailing und den Empfehlungen des DSV Beachtung schenken, sondern sie auch wirklich umsetzen. Meine Angebote dazu sind bekannt. Es schadet dieser wunderbaren nostalgischen und doch modernen und interessanten Klasse in keiner Weise. Leider habe ich mich dann viel zu spät und vielleicht auch unpassend zu den Sachverhalten gemeldet. Ich hätte es gleich bei der Steuermanns-besprechung tun sollen, habe ich aber nicht und dadurch wieder einmal mehr die Gemüter erhitzt. Ja Regeln sind Regeln. Ich als Kutterfrischling weiß natürlich nicht, dass wir nach WR segeln und wenn es mal anders ist, dann tritt die Lex Kutter in Kraft. Hätte man mich auch einweihen können. Nobody ist perfect und ich wahrscheinlich am allerwenigsten!

Dann war backen und banken im Wikinger angesagt. Große Portionen etwas längere Wartezeiten…aber es haute alles hin. Ich hatte mir einen geräucherten noch warmen Saibling gegönnt – schmeckte lecker. Später stieß Torsten von der „Cutty Sark“ noch zu uns und so fanden noch einige „Mann und Fru“ ihren Weg in die Kümmeltürkengefielde. Die Kombüse  machte pünktlich um 22:00 Uhr dicht, so dass der wortgewaltige Schliekertorsten, der etwas spät kam,  fast verhungert wäre. Wir hätten ihm doch gerne etwas abgegeben, aber es war alles schon in unseren Mägen.

Am Quartier auf der Festwiese gab noch ein gute Nacht Gedeck und ab in die Heia.

Der Rundselprotest und unsere Berufung dazu, erlangte hier vor zwei Jahren das Licht der Welt und feierte zweijährigen Geburtstag,  ohne bisher entschieden zu sein. Gut Ding will halt lang weil haben.

Früh am Morgen aus der Falle, denn um 08:30 Uhr ist bereits die Steuermannbesprechung. Davor noch Frühstück fassen. Sehr gut, preiswert im „Wikinger“, dem Domizil des Zingster Kuttersegelvereins.  Allerdings könnte man wohl an der Organisation etwas verändern, denn der Ansturm war einfach diesem kleinen Raum nicht so recht gewachsen. Aufgetakelt, Eröffnung Veranstalter und Wettfahrtleiter Matthias Kliemchen halten sich mit ihrer Schnackerei mecklenburgisch kurz. Gegen 10:00 Uhr sollen die 19 Kutter auf den Kurs geschickt werden. Es gehen auch zwei Schlepps. Wir hängen uns in einen rein, denn mit Segeln war ja bekanntlich nichts wegen der Zuparkung.

Wir segeln Dreiecke. Start – 1 – 2 – 3 – 1 – 3 – Ziel. Irgendwann ist der Kurs gelegt.  Im verganngenen Jahr schrieb ich: Bannig kott. Diese Mal tolle lange Kurse, der Bodden wurde endlich mal genutzt. Bannig kott. Signalgebung nicht so, wie sie sein sollte. Daran muss man in Sachen Verbesserung arbeiten! Hilfe wurde schon im vergangenen Jahr angeboten. Das  Startschiff liegt an der Leebahnmarke und das Ziel oben an Bahnmarke eins. Also wirklich echt tolle lange windgerechte Kurse!!!

1. Wettfahrt:
Wind NNO 2 - 3 Bft/ Kurs: Start – 1 – 2 – 3 – 1 – 3 – 1 – 2 – 3 Ziel
Start in luv begünstigt. „Cutty Sark“ und „Santa Fe“ kommen gut über uns weg. Sie gehen wie viel andere auch nach rechts weg. Wir segeln uns frei und zeihen dann auch den holeschlag vor. Es sieht so aus, als ob die Rechtsfahrer es frischer haben. Aber dann fangen wir irgendwann auch an zu ziehen, und sind an BM eins auf Platz 1.  Dicht gefolgt von „Cutty Sark“, „Santa Fe“ (ohne die Stonesgewaltige Zunge im Spi…der ist wohl neu), „Pax“, „Resi“,  „Zephyr“ usw. Es geht auf den Raumgang. Die BM zwei liegt zu spitz, ein Spifahren ist nicht möglich. Erst auf dem zweiten Raumgang können  wir Spi fahren. Auf den Raumschenkeln bleibt es bei den beschriebenen Platzierungen. Kreuzgang ab Bahnmarke drei. Wir segeln den Holeschlag auf Steuerbordbug. Die Verfolger segeln wesentlich höher, unser Vorsprung schmilzt. Insbesondere „Resi“ arbeitet sich nach vorn und sie laufen eine Sauhöhe. Die sich anschließende Achterliche läuft gut, an BM drei sind wir noch vorne, aber alles dicht beieinander. Unsere Bahnmarkenrundung drückt uns etwas weit nach lee, dadurch bekommt die ohnehin schon hoch segelnde Konkurrenz noch einen zusätzlichen  Vorteil. Dann wieder das Dreieck . Das fast gleiche Bild, „Resi“ und „Zephyr“ beide auf Vormarsch. Dann wieder die BM drei. Die Verfolger fahren höher. Im Ziel hat „Resi“ durch seinen  Höhenvorteil und sicherlich trotzdem gleicher Geschwindigkeit genau eine Bootslänge Vorsprung. „Resi“ erster, wir zweiter, „Cutty Sark“ dritter, „Zephyr“ wird als bestes Holzboot vierter, „Santa Fe“ fünfter. Shit, an der Höhe müssen wir arbeiten.
Damit wir arbeiten können, hat der Volker höchstselbst für uns Schnitzel gebraten. Lecker! Darfst du öfter machen.

2. Wettfahrt:
Wind NO 2 - 3 Bft/ Kurs: Start – 1 – 2 – 3 – 1 – 3 – 1 – 2 – 3 Ziel
Wind hat auf Nordost gedreht, Trend ostdrehend. Kurs wird korrigiert.  Startlinie liegt ok, nur ein wenig kurz. Ja, die Tiefe des Boddens spielt hier wohl eine Rolle. Wir kommen in der Mitte so einigermaßen na ja frei weg. „ Cutty Sark“ in lee gut vor uns. Wir wenden weg und können über die Mitte ohne Grundberührung frei segeln, gehen als erster um die BM eins, gefolgt von „Resi“. Beide Kutter haben schon einen schönen Vorsprung auf den Dritten. Da kommt der „Cutty Sark“ das Groß runter, offensichtlich ist etwas mit dem Peakfall. Sie fahren mit Genua und Besan weiter, sind fast so schnell wie alle anderen Kutter.  Haben aber alles schnell wieder im Lot, tolle See - und Reparaturmannschaft. Hinter uns „Resi“. So segeln wir die Raumgänge, die Achterliche, die Raumgänge. Auf dem letzten Raumgang von der BM zwei zur BM 3 macht der Wind phasenweise eine Pause, „Resi“ auf Tuchfühlung. Wir haben die Innenposition aber keinen Druck in den Segeln. Wir schiften, und genau in dieser Schifte kommt eine kleine Böe durch, die hätten wir gebraucht um zur BM drei durchsegeln zu können, und schwupp hat die „Resi“ Innenposition.  Da der Vorsprung auf den Dritten ausreichend erscheint,  probieren wir es mit vielen Wenden. Wir hätten das eher beginnen sollen, denn wir kommen auf schaffen es aber nicht entscheidende Positionen einzunehmen. „Resi“ geht wieder eine Kutterlänge vor uns durch das Ziel. Dritter wird die „Cutty Sark“, vierter „Pax“, fünfter „Santa Fe“.

Dann kommt die berühmte Boddenkaffeeundkuchenpause. Alles wird vom Start- und Zielschiff gereicht. Lecker, sogar unser Teterower Backrat Walter ist des Lobes voll.
Alles läuft gut, die Tröten und die Flaggen könnten lauter und größer sein usw. Hatten wir alles schon.

3. Wettfahrt:
Wind NO 2 - 3 Bft zunehmend/ Kurs: Start – 1 – 2 – 3 – 1 – 3 – Ziel  
Wir kommen hinter aus der Mitte gut weg. Segeln eine Bb- Schlag bis ca. zur Mitte der Bahn,   Wenden und gehen mit frischen Winden rüber nach Steuerbord. Wir segeln auf Bbbug und sehen, dass in lee offensichtlich wohl einige durch den Schlick ziehen, offensichtlich auch „Cutty Sark“. Dann wieder backbord mit Bahnmarkenanlieger. Wir schaffen es wieder als erster die BM eins zu runden. Wieder in Führung. Auf  Tuchfühlung „Resi“ als zweiter und „Cutty Sark“ als dritter. So segeln wir die Bahn wie beschrieben ab. Wir belauern uns gegenseitig, jeder wartet auf den Fehler des anderen. Diese Mal behalten wir die Nase vorn. „Resi“ wird zweiter, „Cutty Sark“ dritter. Konstellation, wenn wir gewinnen wollen, müssen wir die letzte Wettfahrt gewinnen. Ja, das wollen wir. Andere sicherlich auch.

4. Wettfahrt:
Wind NO 2 - 3 Bft zunehmend / Sonderkurs, die Betonnung des Fahrwassers nutzend: Start – R2 /G7  – R 4 – R 8/R9 – R14 – Ziel zwischen R28  Anleger SSV
Start völlig verkorkst. „Pax“ kommt von lee quetscht uns ab, „Resi“ in luv von uns. Als wir endlich frei segeln, sind die Gegner schon 50 m weg. Wenden raus nach Steuerbord. Fahren bis zum Anschlag. Die Linksfahrer sind fast nicht mehr auszumachen, ein Vergleich hinsichtlich Platz, Geschwindigkeit, Höhe ist nicht möglich. Aber es ist frischer schöner Wind aus NO, Tendenz ostdrehend. Es fährt gut. Als wir meinen, die vorgegebene Bahnmarke des Fahrwassers anliegen zu können, legen wir um und fahren die Bahnmarke mit Bb-Bug an. Stürmann sagt nach einiger Zeit (er war lange Zeit schweigsam, wie wir alle, wir ärgerten uns ob diesen versauten Starts): „Sieht besser aus als gedacht, vielleicht Dritter“. Kurze Pause: Nö, zweiter….jetzt erster“. Die Gesichter der Crew hellen sich auf. Hoffentlich schaffen wir die Bahnmarken. Wir müssen knüppeln. Die anderen aber auch. Dann an der R4 (wir führen wieder vor „Resi“ und der „Cutty Sark“) Spi hoch, dann an der R8/R9  Spi wieder runter. Der  Weg zum Ziel durch den Zingststrom ist noch weit und windmäßig als auch tiefenmäßig ist die Distanz noch für viele Überraschungen gut. „Resi“ und „Cutty“ kommen auf, es verspricht spannend zu werden. Der Wind kommt von achtern, Raddampfer und andere Ungetüme machen uns das Leben zusätzlich schwer…oder auch nicht. Als wir denken der Raddampfer legt an, dreht er nur und kommt uns wieder entgegen. Immer schön in luv bleiben, jede Böe nutzen. Irgendwie haben wir wohl eine Privatbrise erwischt. Setzen uns ab und gehen jubelnd durchs Ziel. Idol, Marita, Ingrid und Simone jubeln mit uns. Punktgleich mit „Resi“ wir haben gewonnen.

Kliemchen, der WFL,  hat uns zwar nicht abgetutet, „Resi“ auch nicht, er sagt uns irgendwas, wir verstehen es aber nicht.

Wir segeln zum Kranen den Zingststrom zurück.  Da kommen andere und sagen wir hätten einen Frühstart gehabt. Donnerwetter. Wenn es so ist, dann ist es so. Wir haben weder etwas gehört noch gesehen. „Resi“, Poseidon“, „Pax“ und wir hatten einen Frühstart. Frühstart bei diesem vermasselten Start, auch das noch. Wenn es kommt, kommt es dicke! Da müssen wir ja irre weit drüber gewesen sein. Ja, die Teterowschen Hechtstädter hemm dat woll‚ `n bäten ilig hat, denn alle Teterower Boote hatten einen Frühstart. Es gibt einige Telefonate. Ok, es hätte nach meiner Meinung einen Streicher geben müssen. Aber das lasse ich jetzt. Ich hatte mich schon eingangs geäußert. Regeln sind Regeln.

Nach diesem, nun doch anderen Zieleinlauf sind wir Gesamtfünfter „Resi“ vierter, Zephyr“ dritter, „Santa Fe“ zweiter, und „Cutty Sark“ wie schon im Vorjahr erster. Herzlichen Glückwunsch an die Sieger und Platzierten. Ein ganz besonderer Dank geht an die Organisatoren und an die weitgereisten Südländer, die sich verantwortlich zeigen für ein so schönes Feld. Da muss man sich doch fragen, wo waren die Rostocker, die Schweriner, u.a.,  die haben es doch wesentlich dichter.

Fazit: Es war ein ganz toller und besonders schöner Segeltag. Kuttersegeln vom Feinsten auf einem tollen Revier. Mit harten Kämpfen und sehr engen Platzierungen. Es hat uns trotz des Frühstarts ganz ganz viel Spaß gemacht, wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Jahr.

Ok, die Stimmung ist etwas getrübt, aber so ist das nun mal. Wir bauen unseren Kutter ab, kranen, verpacken. Ich trolle mich von dannen, eigentlich nicht meine Art, denn Sieger und Platzierte sollten geehrt werden. Aber wir haben Besuch zu Hause, Verwandte, Kind und Kegel aus Hamburg, Schwerin und Teterow  sind bei uns zu Besuch. Da möchte ich auch noch ein wenig präsent sein.

Goode Wind wünsche wir allen Rundselbootfahrern dieser Welt! Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

Carsten Jansen
Mitglied der „Teamwork“

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