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Zur Weltmeisterschaft nach Dänemark Teil 2 – H-Boote

Dr. Jörn-Christoph Jansen unterwegs als Internationalen Schiedsrichter

Wo es einen ersten Teil gibt, muss es auch einen zweiten Teil geben. So führte mich meine zweite Reise zu einer Weltmeisterschaft ins Ausland drei Wochen nach meiner Rückkehr von den „2021 Zoom8 Boy’s and Girl’s World Championships” zur Weltmeisterschaft der H-Boote wiederum nach Dänemark. Vom 9. bis 14.08.2021 veranstaltet der Struer Sejlklub die „H-Boat World Championship“, wie das Event offiziell hieß.

Wer nun erwartet, dass diese Regatta wie so viele andere coronabedingt auch von 2020 auf 2021 verschoben wurde, liegt fehlt. 2020 sollte die H-Boot WM im Rahmen der WARNEMÜNDER WOCHE stattfinden und für 2021 war das Event tatsächlich regulär in Struer geplant. Mein Freunde Hans Vengberg, internationaler Schiedsrichter aus Dänemark, hatte dieselbe Idee wie Jens Villumsen bei der Zoom8 WM und wollte mir helfen, ein internationales Event außerhalb der deutschen Gruppe zu erhalten. So erreichte mich die Einladung auch schon 2020. Die Berufung in die Internationale Jury der WM durch die Dansk Sejlunion folgte jedoch erst Ende 2020.

H-Boot Weltmeisterschaften gibt es seit 1980, aber das H-Boot selbst wird seit 1967 als Einheitsklasse aus GFK von Werften in Finnland, Deutschland, Österreich, Dänemark und Estland gebaut. Der Buchstabe „H“ in der Bezeichnung leitet sich übrigens vom Vornamen des Konstrukteurs Hans Groop (Finnland) ab. Heute haben nur noch drei Werften aus Deutschland, Österreich und Finnland die Bootsbaulizenz von World Sailing. Auf Grund dieser Lizenzverträge sind die Werften zur Einhaltung der Klassenregeln beim Bau und bei der Ausrüstung eines H-Bootes verpflichtet.

Die Maximalbesatzung des Bootes beträgt sechs Personen. In der Kajüte bietet sich Platz für drei bis vier Kojen. Das Cockpit ist selbstlenzend. Bei Regatten wird das Boot mit einer Besatzung von drei bis vier Mann und einem maximalen Mannschaftsgewicht von 300 kg gesegelt.

Erster Weltmeister 1980 war der Däne Poul Richard Høj Jensen, der zweimal (1976, 1980) die Goldmedaille im Soling bei den Olympischen Spielen ersegelte. Titelverteidiger 2021 und inzwischen auch Rekordweltmeister im H-Boot war nunmehr sein Sohn Claus Høj Jensen, der inzwischen die Segelmacherei seines Vaters, der wiederum einst bei Paul Elvstrøm als Bootsbauer arbeitete, übernommen hat.

Jede Reise bringt so ihre Überraschungen mit und so war es auch bei meiner Reise nach Struer. Statt am Montag, 9. August, machte ich mich erst am Dienstag, 10. August auf den Weg. Vom 9. auf den 10. August war aufgrund eines Fahrradrennens keine Unterkunft zu bekommen. Weil die Innenstadt von Struer bis 14 Uhr gesperrt sein sollte, brauchte ich mich auch nicht zu sehr beeilen. Am 10. August sollte auch „nur“ das Practice Race stattfinden. Weil auch Hans Vengberg in Copenhagen noch beruflich zu tun hatte, waren zunächst also nur drei Schiedsrichter vor Ort. Überhaupt war der Veranstalter verwundert, dass wir zwei Juryboote brauchen. Irgendwie ging der Struer Sejlklub davon aus, dass fünf Mann in einem 4,20m Schlauboot zusammen schiedsen …

Unser Juryteam sollte aus Karl Petter Haugen (IJ, Norwegen, Chairman), Hans Vengberg (IJ, DEN), Torben Precht-Jensen (IJ, DEN) und Peter Thomas Hansen (NJ, NOR) bestehen. Den Norweger Karl Petter Haugen kannte ich von der WARNEMÜDNER WOCHE 2018, wo er als NJ ein Auslandsevent brauchte, um IJ zu werden. Die „WW2018“ war Karl Petters erstes Event im Ausland überhaupt. Im selben Jahr wurde Karl Petter IJ. Zuletzt sahen wir uns 2019 zu den Finny-Dinghy Masters Europeans in Schwerin. Der zweite Norweger Peter Thomas Hansen ist eigentlich ein Däne, der in Norwegen lebt und dort auch seine nationale Lizenz erworben hat. Beim IJ-Seminar in Gdansk war er mein Sitznachbar.

Juryfoto (v.l.n.r.): Torben Precht-Jensen (IJ, DEN), Jörn-Christoph Jansen (IJ, GER), Hans Vengberg (IJ, DEN), Peter Thomas Hansen (NJ, NOR), Karl Petter Haugen (IJ, NOR)

Torben Precht-Jensen lernte ich erst in Struer kennen. Sein Sohn Jakob war gerade in Tokio im 49er Fünfter geworden. Auch der Sohn des Wettfahrtleiters, der mir schon von der Zoom8 WM bekannte Peter Lübeck, hatte als Vierter der Nacra17 ein gutes Ergebnis ersegelt. Weil auch Hans Vengberg, der zum Stamm der Warnemünder Jury gehört, gerade aus Tokio zurückgekehrt war, wo er als Rules Advisor das dänische Nationalteam betreute, wehte noch ein Hauch der Olympischen Spiele in Struer.

Mein Weg dorthin führte mich über die A20, über Flensburg und dann irgendwie durch Dänemark. Auf der Strecke erhielt ich einen Anruf aus Plön. Für die dortige Internationale Deutsche Meisterschaft der H‑Jollen wird ein Chairman gesucht. Zweimal war ich in Plön zu Deutschen Meisterschaften der Schwertzugvögel 2015 und der O-Jollen 2018. Alle guten Dinge sind nun drei …

Mit zwei Pausen kam ich in Struer um 14:30 Uhr an. Fährt man nach Struer, fällt einem schon am Orteingang der wichtigste Industriebetrieb und größte Arbeitgeber der Stadt auf: der Elektronikkonzern Bang & Olufsen. Struer liegt in Mitteljütland, hat rund 10.000 Einwohner und war 2001 Gastgeber der bisher letzten Europameisterschaft der Piraten auf dänischem Boden. Auf dem Limfjord wurde Falko Bier (WVG 1928 e. V.) seinerzeit Europameister an der Vorschot des Berliners Dirk Bogumil, der daraufhin WVG-Ehrenmitglied wurde.

Nach dem Check-In im Hotel, wo das „Ziel“ des Radrennens noch aufgebaut war, fuhr ich weiter zum Yachthafen, der mit 500 Liegeplätzen der größte seiner Art am Limfjord ist. Die Segler waren noch nicht vom Practice Race zurück, aber ich sah den Schleppverband schon – es war kein Wind. Ich hatte also nicht viel verpasst. Im Verein empfing mich Jens Villumsen, der die Jury einen Tag besuchte. Kurz darauf trafen auch die „echten“ Jurymitglieder vom Wasser ein. Hans Vengberg war auf dem Weg.

Nach einer kurzen Begrüßung und Einweisung nahmen wir mit allen 43 teilnehmenden Besatzungen aus 6 Nationen Aufstellung für den Marsch zum Rathaus. Mit Musikkappelle, Nationenflaggen und 140 Seglern marschierten wir zum Rathaus. Dort wurden dann alle (!) Teams namentlichen verlesen. Struers Bürgermeister Niels Viggo Lynghøj begrüßte im fließenden deutsch, bevor er ins dänische wechselte und die Weltmeisterschaft offiziell eröffnete. Nach ein paar Canapés, die mit Tuborg verdünnt wurden, hatten wir Hunger und suchten ein Restaurant im Hafen. Im Fischrestaurant aß ich natürlich Spareribs.

Mit einem Skippers Meeting startete der erste echte Wettfahrttag bei 3-4 Beaufort und mit einer Überraschung für die Jury, denn das zweite Schlauchboot war nach wie vor nicht da. Kurzerhand wurde ein Schlauchboot von 2,30m Länge organisiert (siehe Juryfoto). Schon aus Sicherheitsgründen lehnten es Hans Vengberg und ich ab, damit auf die Ostsee zu fahren. Abgesehen davon war kein Platz für zwei Personen. Uns wurde ein anderes Boot versprochen und Hans und ich warteten erstmal im Jurybüro. Die anderen drei Kollegen erlebten zwei Wettfahrten auf dem Limfjord und je einen finnischen und einen deutschen Tagessieg. Der einzige Protest am Abend wurde zurückgezogen, war aber ohnehin grundlos 40 Minuten nach Protestfristende eingereicht worden …

Am zweiten Tag erwarteten uns 4-5 Beaufort und Hans Vengberg und ich teilten uns ein 4,20 m langes Schlauchboot, das uns sehr nass werden ließ. Dazu hatten wir ein etwas größeres Schlauchboot bekommen, das sich die Kollegen teilten. Drei Wettfahrten mit etwas Regen und Kaffeeversorgung durch das Startschiff ließen sich aushalten. Während der Finne Jan Barsboom, der schon die erste Wettfahrt gewonnen hatte, mit einem Tagessieg in der dritten Wettfahrt erneut seinen Anspruch auf das Podium unterstrich, gewann Titelverteidiger Claus Høj Jensen die vierte und fünfte Wettfahrt und übernahm mit den Plätzen 3, 4, 2, 1, 1 gleich wieder die Gesamtführung.

Am Abend erwartete uns ein komplizierter Protest, der von der Jury selbst initiiert wurde. Unser Chairman Karl Petter Haugen entschied, dass ich ihn leiten sollte. Ein deutsches Boot hatte sich nicht von einem dänischen Boot beim Wenden in der Zone freigehalten und es dadurch selbst zu einem Manöver gezwungen. Wir entschieden nicht nur auf Regelverstoß (WR 13, 18.3), sondern auch auf Verstoß gegen faires Segeln (WR 2). Eine solche Disqualifikation ist nicht streichbar.

Am dritten Tag nahm der Wind auf 5-6 Beaufort weiter zu und heftige Regenschauer begleiteten unsere drei Wettfahrten. Das kleinere der beiden Schlauchboote teilte ich mir mit Karl Petter Haugen. Zwischenzeitlich mussten wir sogar den Regen abwarten, weil man nicht beide Enden der über 400 m langen Startlinie sehen konnte. Auch der Weg zurück vom Wettfahrtgebiet wurde zum Abenteuer in dem kleinen Schlauchboot. Am Ende des Tages musste ich feststellen, dass mein rechter Segelstiefel wohl nicht mehr komplett dicht ist.

Der Abend wurde noch begleitet durch einen Protest eines Dänen gegen einen Finnen. Allerdings war nicht klar, wo und wann der Vorfall geschah, es war nicht oder nicht unmittelbar eine Protestflagge gezeigt worden und der Protest war auch noch – ohne guten Grund – zu spät eingereicht. So kamen wir nicht zur Gültigkeit des Protestes. Der Abend klang im Wohnmobil von Peter Thomas Hansen aus, mit dem er auch im Winter in Norwegen unterwegs ist, u. a. bei der Elchjagd.

Der vierte und letzte Tag der Weltmeisterschaft war von Schwerwetter begleitet. Da wir ein Juryboot abgeben mussten, fuhr nur ein Teil von uns aufs Wasser. Drei Wettfahrten mit Unterbrechungen aufgrund von Regen waren erneut das Los der Aktiven und der Offiziellen. Mastbrüche und ein schwerer Crash sorgten dafür, dass in der letzten Wettfahrt nur noch 23 der 43 Boote an den Start gingen. Der Crash zweier dänischer Boote zwischen zwei Wettfahrten, der bei einem Boot für einen schweren Schaden mit Wassereinbruch sorgte, beschäftigte uns in der Jury über eine Stunde, wobei weniger die Disqualifikation des einen und mehr die Wiedergutmachung für das andere dänische Boot für Diskussionen zwischen uns sorgte.

Dem Meisterdinner folgte die Siegerehrung. Claus Høj Jensen und sein dänisches Team verteidigten ihren Titel aus 2019 und gewannen damit ihre 8. Weltmeisterschaft seit 2008. Silber gewann der Finne Jan Barsboom mit Crew und Bronze errang der Däne Anders Bertelsen mit seiner Mannschaft. Mit nur zwei Punkten Rückstand auf die Medaillenplätze landete das beste deutsche Team mit Steuermann Holger Köhne (Potsdam) auf Platz vier.

Nach einem schönen Meisterschaftsabend machte ich mich am Sonntagmorgen auf den Rückweg. Im Gedanken war ich schon wieder bei den nächsten Regatten. Nach der IDM der H-Jollen in Plön wird der 10. Güstrower Einhandpokal folgen. Anschließend geht es zur IDM der Finn-Dinghys nach Röbel/Müritz, eine Woche danach zu den 2.4mR Para World Championships in Warnemünde und dann ist der September auch schon vorbei …

Jörn-Christoph Jansen

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