Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e.V., An den Bootshäusern 13, 18273 Güstrow info@wvg1928.de

WVG ehrenamtlich unterwegs

von Carsten Jansen

Vom 15.09. bis zum 19.09.2021 fand in Röbel auf der Müritz die Internationale Deutsche Meisterschaft der Finn-Dinghys statt. Es waren sage und schreibe 72 Finns aus 5 Ländern gemeldet. Das Gros der Meldungen kam natürlich aus Deutschland, aber es hatten auch Finns aus den Niederlanden, Dänemark, Polen und Australien gemeldet. Die Delegation aus Güstrow betraf Jörn-Christoph, der einmal mehr als Obmann des Protestkomitees agierte, unser Ehrenmitglied Uwe Reinsberg, dessen Motorboot als Startschiff eingesetzt wurde und er der Skipper war und meine Wenigkeit als Pinnend und Zielbegrenzung. Mir zur Seite stand der erfahrenen Segler Bernd Altmann aus Röbel. Gleich uns waren ca. 30 weitere ehramtliche Sportfreunde, teilweise natürlich nur partiell, für das Gelingen der Veranstaltung verantwortlich. Der Cheforganisator war Heino Leja und Wettfahrtleiter Dirk Köhn. Beinahe wäre mit Günter Strüwing auch ein Aktiver unseres Vereins an den Start gegangen, aber berufliche Einsätze verhinderten diese sicherlich interessante Segelerfahrung in diesem großen Feld.

Es wurden an drei Tagen neun Wettfahrten bei Winden, die durchschnittlich mit drei bis fünf Beaufort wehten, gesegelt, so dass der Reservetag nicht in Anspruch genommen werden brauchte, was den weitest angereisten Teilnehmern natürlich entgegenkam. Der Teilnehmer mit der weitesten Anreise kam übrigens aus Deutschland vom westlichen Teil des Bodensees: 962 km Anreise, so groß ist Deutschland … Donnerwetter!

Die neun Wettfahrten verlangten den Seglern als auch den auf dem Wasser Agierenden alles ab, so dass sich das Feld im Laufe der Tage leicht ausdünnte. Wir am Pinnend hatten in der Tat auch einiges an Knochenarbeit zu absolvieren. Nach jedem Start die Ankergewichte hoch (wir arbeiteten mit einem Grundanker und einem weiteren Reitergewicht, damit die Ankerleinen fast 90° ins Wasser tauchen, um den Booten ein ordentliches Starten in Lee zu ermöglichen. Die Müritz ist etwas tiefer als der Inselsee, sodass uns wahrlich nicht kalt wurde. Nach den Starts alles hoch und wieder zum Ziel, dort wieder einpeilen und verankern. Die Bahnmarken wurden stets im letztmöglichen Moment gelegt, um optimale Kurse zu ermöglichen. Bei Winddrehungen wurden die Verlegungen der Bahnmarken mit den entsprechenden Signalgebungen konsequent durchgeführt. Es funktionierte alles perfekt und entsprechende Dankesworte gab es von den Aktiven. Bei den Finns wurde in jeder Wettfahrt mit der Flagge „Oscar“ Pumping, Rocking und Ooching auf Halb- und Vorwindkursen freigegeben, sodass die Segler noch mehr ackern mussten. Interessant zu sehen, denn d. h. natürlich, dass es gar kein Ausruhen mehr gibt, auch nicht auf den achterlichen Kursen. Die Finns selbst meinen, „ausruhen“ könne man sich jetzt nur auf dem Kreuzgang. Schönen Dank auch!

Eröffnung ist kurz und bündig am Mittwochabend (15.09.2021). Auch der Bürgermeister war, wie eigentlich immer zu den großen Events in Röbel, dieses Mal durch einen Vertreter, präsent. Donnerstag früh ist um 8:30 Uhr Besprechung des Wettfahrtkomitees. Das wird an jedem Tag so gemacht. Um 9:30 Uhr laufen die Funktionsboote aus. Wir fuhren jeden Tag bis auf Höhe der Betonnung Mitte Müritz. Kurs liegt in der Regel ca. 30 min vor der Ankündigung. Man bleibt aber flexibel. Erster Tag drei Wettfahrten, aus Richtung West, drehend. Gesegelt wurden in allen Wettfahrten zwei Up-and-Downs. Die Dauer der Wettfahrten schwankte zwischen 45 bis 60 min, es wurde mit Flagge „C“ auch zur Verlängerung des Kurses gearbeitet. Alles sauber und präzise. Unsere Sympathien sind natürlich bei aller Objektivität bei den Mecklenburger Finn Seglern.

Erste Wettfahrt läuft super. Das gibt für alle Sicherheit. Es gewinnt der spätere Deutsche Meister Thomas Schmid (NRV/BSC) vor André Budzin (SYC) und dem Dänen Jens Kristian Andersen.

Zweite Wettfahrt – gleiche Bedingungen. Es gewinnt André Budzin. Die Konkurrenten sind im Vorderfeld platziert aber nicht auf den ersten drei Plätzen.

Dritte Wettfahrt dann konstantere Winde.  Es gewinnt Fabian Lemmel (SV 03 Berlin) vor Andrѐ Budzin. Der Tag geht ganz klar an André – Ausbeute 5 Punkte. Ende der Wettfahrten gegen 15:00 Uhr. Wir sind dann gegen 16:00 Uhr wieder im Hafen. Es gibt ein Anlegerbier und eine Bockwurst – das tut gut nach dem langen Tag. Abends ist die Klassenversammlung der Finns. Interessant, kompetent, sachlich, informativ. Davon träumen andere Klassenvereinigungen! Die Finns wissen nicht so recht, wie es weitergehen soll nach dem Olympiaaus. Der Klasse fehlt es an jungen Seglern. Sie werden sich aufbäumen. Wenn man Parallelen zum FD sieht, wird das wohl gelingen. An Machern fehlt es dieser Klasse wahrlich nicht.

Wie jeden Abend geht es früh in die Kiste. Man ist müde und geschafft von Wind, Welle und frischer Luft.

Der zweite Tag ist fast eine Kopie des ersten Wettfahrttages. Alles läuft super. Die erste Wettfahrt läuft glatt durch. Es gewinnt Thomas Schmid. André vergeigt, er segelt sich von Platz 2 am Gate auf der Zielkreuz auf den 9. Platz zurück.

Die zweite Wettfahrt hatte es aber in sich.  Genau zum Start drehte der Wind um 45°, nicht einfach für die Aktiven und die Wettfahrtleitung. Zweimal Startabbruch, Pinnend verholen, einmal, zweimal. Es zeigte sich sehr eindrucksvoll, wie wichtig ein Pinnend ist. Es spart enorm viel Zeit und es ermöglicht auch, viel besser peilen zu können, als mit anderen Startmethoden. Start ist also holperig. Mehrere Finns touchieren das Pinnend. Auch André, weil ihn ein anderes Finn gegen uns drückt. André ist aber im Gegensatz zu vielen anderen Seglern, der Einzige, der für uns sichtbar seinen vermeintlichen Regelverstoß korrigiert – Respekt!!! Aber eigentlich die Normalität, nämlich die konsequente Einhaltung der WR. André wäre aber nach WR 43.1(a) auch entlastet worden …

Wind dreht im Laufe der Wettfahrt zurück, Flagge C kommt zum Einsatz – volles Programm.

Die zweite Tageswettfahrt geht an den Dänen Martin Mikkelsen, der sichtlich davon profitiert, dass sich Fabian Lemmel (2.) und Thomas Schmid (3.) in dieser Wettfahrt belauern. André wird 7.

Danach dann bei konstanteren Windverhältnissen die 3. Tageswettfahrt (insgesamt die 6.), die wieder von Thomas Schmid gewonnen wird vor Fabian Lemmel und André. Der Tag geht an Thomas Schmid, Fabian Lemmel holt rasant auf. André verliert an Boden.

Fast auf die Minute wie am Vortag legen wir wieder an. Es gibt Anlegerbier und Wraps. Am Abend gehen Uwe und ich ins Regattahaus zum Essen. Angebot top. Auf dem Teller liegt dann Essen für aus meiner Sicht zwei Personen. Mecklenburgische deftige Kost, Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Wieder früh in die Heia. Einige sprechen von erlittener Sauerstoffvergiftung.

Dritter Tag, Wind aus Nordost drehend, also andere Bedingungen. Wenn der Wind so durchsteht wird es der Finaltag. Am Abend wird der Meister feststehen. Es folgen drei super Wettfahrten. Die Favoriten liefern sich wie erwartet, heiße Kämpfe. Es ist der Tag mit den stärksten Winden, Regenschauern, Sonne und einer merkwürdigen Welle. Die macht den Aktiven und auch uns in den Motorbooten zu schaffen. Die Nervosität nimmt zu, Flagge U reicht nicht mehr. „Black“ muss her. Einige werden aussortiert. Man merkt den Aktiven an, dass am letzten Wettfahrttag die Kräfte schwinden. Viele Kenterungen sind ein Zeugnis dafür.

Die 7. Wettfahrt wird wieder unter Black gestartet. Es gewinnt wieder Thomas Schmid vor Fabian Lemmel und André.

Die 8. Wettfahrt gewinnt der Däne Jens Kristian Andersen vor Fabian Lemmel, Thomas Schmid und André.

In der 9. Wettfahrt schwinden bei vielen Seglern sichtlich die Kräfte. Wieder Start unter „Black“. Einige werden aussortiert. Leider auch Erik Schmidt aus Sternberg, der damit einen Platz unter den ersten 20 verspielt, schade.

Die Wettfahrt gewinnt mit einem rasanten Endspurt André Budzin vor Thomas Schmid. Fabian Lemmel setzt alles auf eine Karte und wird Sechster. Damit sind die Würfel um die Internationale Deutsche Meisterschaft 2021 gefallen. Thomas Schmid gewinnt vor André und Fabian Lemmel. Die Dänen haben am letzten Tag bei Starkwind mächtig aufgeholt und platzieren sich auf Rang 4 (Hans Kristian Andersen) und 5 (Martin Mikkelsen). Den 6. Platz belegt Mark-Raymondo Bayer ebenfalls vom SV 03 Berlin.

Wir sind fast zur gleichen Zeit wie an den Vortagen an Land und sichern, da einige doch sehr verhalten den Hafen ansteuern, die Heimfahrt der Aktiven ab. An Land Boot Pinnend abbauen, dann Anlegerbier. Der Deutsche Meister steht zufällig neben mir und bedankt sich bei mir für die Startlinie. Das ist wohltuend nach den vielen Enttäuschungen an anderer Stelle. Wir fachsimpeln ein wenig. Ich bin überrascht, denn vor mir steht ein Mann der nicht größer ist als ich, möglicherweise sogar etwas weniger an Gewicht hat, 62 Jahre alt. 1988 Weltmeister in dieser Klasse und Olympiasechster. Damals war er allerdings fülliger, wie er mir erzählt, und Hängewesten waren erlaubt. Interessantes Gespräch, von dem ich nicht alles wiedergeben kann. Dann frisch machen. Günter taucht auf. Er stattet uns und seinen Kumpels aus dem Hessenlande einen Besuch ab. Dort hat Günter während seiner Arbeitsaufenthalte Kontakte zu Segelvereinen geknüpft und seine späte Finnliebe entdeckt. Alle sind hocherfreu. Finnsegler halten offensichtlich gut zusammen.

Eine Episode am Rande: Ich treffe auf dem Weg zum Duschen den Niederländer Henk de Jager. Ein äußerst kommunikativer Mensch, der Schalk ist ihm wohl angeboren – kurzum ein Unikum. Er erklärte mir, dass es mit Jacques Rogge, IOC-Präsident von 2001 bis 2013 und ehemaliger Finn-Segler, dem Vorgänger von Thomas Bach, einen Rauswurf der Finns aus dem Olympischen Programm nicht gegeben hätte. Ich kann ihm nur beipflichten. In der Tat bedauerlich, wenn es mehr um Action und Speed geht und das taktische Segeln, was zweifellos – jedenfalls aus meiner Sicht der Dinge – zum Segelsport dazu gehört, ausblendet. Dito, eine fatale Entscheidung das Segeln aus den Paralympischen Wettbewerben zu streichen.

20:00 Uhr Siegerehrung und Champions Dinner. Beides eindrucksvoll, tolle Preise große Dankbarkeit der Aktiven.

Der Holländer Henk de Jager wird 18. In der Gesamtwertung, die Finnsegler feuern ihn auf dem Weg zu seiner Ehrung an. Sie kennen ihn wohl und in der Tat greift er sich das Mikro: Ein toller See, so viel Wasser – sowas hat man in Holland noch nicht gesehen und wir hatten Wolken und Regen – sowas hat man in Holland noch nicht gesehen, und wir hatten Sonne und Wind – sowas hat man in Holland noch nicht gesehen, und ich bin 18.  –  sowas hat man … die Worte gehen im Beifallssturm der Aktiven unter.

Sonntagmorgen heißt es Abschied nehmen von einer tollen Crew in Röbel. Ich habe prima Tage erlebt - ein Danke an Uwe, den Smut, das gesamte Wettfahrtkomitee, die Schiedsrichter, die am letzten Tag noch eine kniffligen Fall mit fünf Regelverstößen zu lösen hatten, und alle Helfer. Ein tolles Team, in dem man gerne arbeitet.

Ich/wir sind gerne wieder dabei, wenn wir denn noch können und man uns brauchen sollte.

Carsten Jansen
WVG 1928 e. V.

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