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Zur Para Weltmeisterschaft der 2.4mR nach Warnemünde

Dr. Jörn-Christoph Jansen und Jürgen F. Kitta in Internationaler Jury aktiv
von Jörn-Christoph Jansen

Eigentlich sollte die Para Weltmeisterschaft in der Klasse 2.4mR vor vier Monaten in Norwegen stattfinden. Doch Corona sorgte für eine Absage. Nach Bewerbungen von Travemünde und Warnemünde entschied die Klasse, die Weltmeisterschaft (für Para Segler) und den Gold Cup (für alle Segler) im Herbst vom 25. bis 29. September in Warnemünde auszutragen. Meine Aufgabe sollte es sein, eine Internationale Jury auf die Beine zu stellen. Anders als zu den Weltmeisterschaften in Dänemark hatte ich also eine kurze Anreise.

Ein 2.4mR gehört zur Familie der metre-Rule-Yachten wie 5.5mR, 6mR, 8mR oder 12mR. Diese Boote sind nach ihrem Vermessungswert benannt, der sich unter anderem aus den Längen-, Breiten- und Verdrängungswerten des Rumpfes sowie den Segelmaßen ergeben. Bei den 2.4mR kommt als Endwert 2.4 heraus.

Entstanden ist die Klasse im Zusammenhang mit den Regatten um den America’s Cup in der 12mR Klasse vor Newport (Rhode Island), USA, im Jahr 1980. Damals entwarf man „kleine“ 12er (Mini-Zwölfer) zu Sponsoring- und Trainingszwecken. Daraus entwickelte sich dann der 2.4mR.

Anders etwa als bei den 5.5ern oder den 12ern sind bei den 2.4mR die Konstruktionsmöglichkeiten sehr eingeschränkt, so dass „alte“ Konstruktionen weiterhin konkurrenzfähig sind gegenüber Neuentwürfen. Die von Peter Norlin gezeichnete „Norlin MK III“ hat weltweit die größte Verbreitung. Doch es segeln andere Konstruktionen wie z. B. „Södergren“, „Stradivari“ oder „Super 3“ ebenfalls in der Spitzengruppe. Der Entwurf von Peter Norlin Mark 3 ist zwischenzeitlich auch eine von World Sailing anerkannte One-Design-Klasse, die in die Vermessungsformel der Konstruktionsformel hineinpasst. Das Boote ist übrigens nicht 2,4 m lang, sondern 4,18 m und hat einen Tiefgang von 0,99 m.

Mit Hilfe der Skandinavischen Yachting Association wurden die Abmessungsgrundsätze des 260 kg schweren, mit 7,53 qm Segelfläche ausgerüsteten und in schwedischen, finnischen und britischen Werften hergestellten Kielbootes der International Yacht Racing Union (IYRU) 1988 in London vorgestellt. Im Jahr 2000 erhielt das Schiff den offiziellen paralympischen Status. Für „Tokio 2020“ in diesem Jahr sind die paralympischen Segelwettbewerbe gestrichen. World Sailing bemüht sich um eine Wiederaufnahme des 2.4mR in das paralympische Programm 2028. Schon deshalb durfte die Para Weltmeisterschaft 2021 auch nicht ausfallen.

Bekannteste Segler der Klasse in Deutschland sind Ulli Libor, Silber- und Bronzemedaillengewinner im Flying Dutchman 1968 und 1972, sowie der Goldmedaillengewinner der Paralympischen Spiele 2000 in Sydney Heiko Kröger, der auch in Warnemünde am Start war.

Unser Juryteam sollte aus Dr. Rainer Kornfeld (IJ, Österreich, Chairman), Jens Villumsen (IJ, Dänemark), Ron Barak (IJ, Israel) und Mina Stanikić (IJ, Serbien) bestehen. Weil Utz Müller (NJ, GER) leider kurzfristig zu einem Auslandseinsatz abkommandiert wurde, rückte mit Jürgen F. Kitta (RJ GER) noch ein weiterer Schiedsrichter des WVG 1928 e. V. in die Jury nach. Ich fungierte als Vice Chairman und unterstützte Rainer Kornfeld so, wie er mich während der WARNEMÜNDER WOCHE immer unterstützt, denn dort ist er mein Vice Chair.

Nachdem am Samstag, 25.09.2021 alle eingetroffen waren, gab es eine kurze Eröffnung mit Freibier und einem Snack. Weil der recht übersichtlich war, entschieden wir uns mit der Jury und unter Verstärkung von Isa Kitta, die beim Catering half, noch eine Kleinigkeit Essen zu gehen.

35 Segler aus Großbritannien, Finnland, Italien, Russland, Schweden, Spanien, Tschechien, den USA und aus Deutschland hatten den Weg nach Warnemünde und nun auf die Ostsee eingeschlagen. Antonio Squizzato (Italien), Megan Pascoe (GBR) und Heiko Kröger (Deutschland) sollten die Favoriten sein.

Der erste Wettfahrttag begrüßte uns mit stabilen Winden und viel Sonne. Die Favoriten mussten sich offenbar noch einsegeln, denn die Siege in den ersten drei Wettfahrten gingen an Christoph Trömer (Deutschland), Fia Fjelddahl (Schweden) und nochmal Christoph Trömer (Deutschland). Heiko Kröger segelte mit den Plätzen 4, 13 und 2 schon vorne mit. Magan Pascoe war mit 6, 4, 3 stabiler und Antonio Squizzato hatte nur anfangs Schwierigkeiten mit 18, 2, 6. Wir hatten keine Proteste und ließen diesen Spätsommertag bei Isa und Jürgen auf der ISA II ausklingen.

Der zweite Wettfahrttag war nicht mehr ganz so warm und ab und an kam ein leichter Schauer dazu. Wieder sahen die Wettfahrtleiter Stephan Giesen (IRO, Essen) und Peter Ramcke (IRO, Kiel) drei Wettfahrten mit Up-and-Down-Kursen vor. Übrigens wurde immer unter Flagge „U“ gestartet und nicht mit „P“ begonnen. Eine Richtlinie von World Sailing verpflichtet hierzu. Heiko Kröger segelte mit 2, 2, 1 fast perfekt, aber Megan Pascoe war mit 1, 2, 2 noch besser und setzte sich in der Gesamtwertung auf den ersten Platz. Nicht der Italiener Antonio Squizzato, sondern der Schwede Hans Asklund setzte sich zudem in der Spitzengruppe fest. Mit Jürgen Freiheit (Yachtclub Berlin-Grünau e. V.) segelte ein ehemaliger Piratensegler übrigens ebenso im Feld mit wie der Scorer der Warnemünder Woche, Bernd-Leopold Käther (Joersfelder Segel-Club e. V.).

Mit Ausnahme einer längeren Regeldiskussion, zu der uns Megan Pascoe angeregt hatte, war der Abend ruhig. Die Klasse segelt sehr friedlich und führt fleißig Strafdrehungen auf dem Wasser aus. Ich kam abends mit Jörg Saeger, sechsfacher Deutscher Meister und vierfacher Europameister der Piraten-Klasse, ins Gespräch. Seit seinen Erfolgen mit Jens Bauditz ist er Ehrenmitglied in unserem WVG 1928 e. V. und in Warnemünder betreut er u. a. Bernd-Leopold „Poldi“ Käther. Ohne diese Helfer würde es übrigens gar nicht gehen, denn Umziehen, Ein- und Aussteigen oder gar das Boot verladen, können die wenigstens selbst.

Der dritte und vorletzte Wettfahrttag war nun vom „Machtrace“ Megan Pascoe gegen Heiko Kröger geprägt. Beide setzten sich in jeder Wettfahrt vom Feld ab und duellierten sich. Ein Augenschmaus für Segelfreunde und wir durften es live und ganz dicht begleiten. Heiko war mit den Plätzen 2, 1 und 1 nun ein bisschen besser als Megan (1, 2, 2). Damit rückte Heiko Kröger bis auf einen Punkt an Megan Pascoe heran. Wir vergaben eine erste und einzige gelbe Flagge wegen Pumpen und hatten zwei Proteste, die im Schlichtungsverfahren schnell gelöst waren.

Der Abend klang dann bei Spanferkel und reichlich Essen aus. Gemeinsam mit DSV-Präsidentin Mona Küppers, die zu uns an den Tisch kam, hatten wir viel zu diskutieren und noch mehr zu lachen. Am Ende hatte unser Chairman Rainer Kornfeld plötzlich den Schlüssel, um das ehrwürdige Seglerheim abzuschließen.

Am letzten Tag ließ sich Heiko Kröger in der ersten Tageswettfahrt den Sieg nicht nehmen. Dieses Mal war Megan Pascoe nur auf dem 6. Platz, sodass er die Gesamtführung übernahm. Bei herbstlichem Wetter konnte Heiko Kröger in der 11. Wettfahrt mit Platz 3 den Weltmeistertitel und auch den Gold Cup für sich entscheiden, denn Megan Pascoe erreichte erneut nur den 6. Platz. Anschließend drehte der Wind immer wieder um 30° und jeder Versuch, eine Wettfahrt zu starten, wurde zunichte gemacht. Schließlich ging der Wind gegen Mittag ganz weg und das Wettfahrtkomitee setzte „AP“ üder „Alpha“ – keine weitere Wettfahrt.

Hinter Heiko Kröger und Megan Pascoe erreichte Hans Asklund den 3. Platz im Gold Cup. Bei den Para Weltmeisterschaften gewann ebenfalls Heiko Kröger vor Antonio Squizzato und Fia Fjelddahl. Hier war Megan Pascoe nicht in der Wertung, da ihr Boot kein „One Design“ nach den Vermessungsregeln von World Sailing ist.

Für die Jury hieß es eilig „tschüß“ sagen. Ron Barak war schon auf dem Weg zum Flughafen BER und Jürgen Kitta wollte noch für seinen Törn einkaufen. Rainer Kornfeld und Jens Villumsen zogen weiter nach Berlin zur nächsten Veranstaltung. Dort zieht es mich am Freitag auch hin. Die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft der 29er Klasse ist dann meine 50. Deutsche Meisterschaft im ereignisreichen Segelherbst 2021.

Jörn-Christoph Jansen

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