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H-Jollen, Finn-Dinghys, 29er Klasse - Deutsche Meisterschaften Nr. 48, 49, 50

Dr. Jörn-Christoph Jansen unterwegs in Plön, Röbel/Müritz und Berlin

Der „heiße Segelherbst 2021“ hat mich nicht nur zu internationalen Events geführt, sondern auch zu ein paar sehr interessanten Deutschen Meisterschaften und Bootsklassen, die wir sonst auf dem Inselsee in Güstrow nicht zu sehen bekomen.

Die Internationale Deutsche Meisterschaft der H-Jollen war tatsächlich auch international, denn ein dänisches Team nahm teil. Nick von Buddenbrock, Regattawart des Plöner Plöner Segler-Vereins von 1908 e. V., rief mich auf dem Weg zur H-Boot WM an und bat mich, den Obmann der IDM H-Jollen zu übernehmen. Ich konnte zwar nur am Wochenende, aber das würde bis auf den ersten Tag schon passen und so fuhr ich nur ein Wochenende nach der Rückkehr von den H-Booten zu den H-Jollen an den Plöner See. Der Große Plöner See, auch nur Plöner See, ist mit gut 28 km² der größte See in Schleswig-Holstein und der zehntgrößte See in Deutschland. Er erstreckt sich südwestlich der Stadt Plön, die an seinem Ufer liegt.

Die H-Jolle ist eine hauptsächlich in Norddeutschland verbreitete, aber auch in Süddeutschland und der Schweiz anzutreffende Konstruktionsklasse von Segelbooten. Die H-Jolle ist ein Rundspantboot in GFK- oder Vollholzausführung. Beim Rigg sind sowohl Gaffel (bei Elb-H-Jollen oder sehr alten Booten) als auch Hochtakelung mit Alu- oder Carbonmast üblich. Das Boot ist 6,20m lang und wiegt ca. 190 kg (die alten auch mal 300-400 kg). Die Segelfläche beträgt 15 m² und der Spinnacker hat 36 m².

Für Schiedsrichter ist die Klasse friedlich, denn es gibt nur selten Proteste. Auch WR 42 gab es auf dem Wasser nicht zu entscheiden. Spannend waren aber die selbstfahrenden Bahnmarken, die wir im Test hatten. Theoretisch könnten die vom Hafen aus auf ihre Position fahren. Weil sie aber auf dem Weg dahin keine Hindernisse erkennen, also auch keine Schwimmer oder andere Wassersportler, wurden sie in Schlepp genommen und erst auf der Bahn aktiviert. Manch eine Bahnmarke musste dennoch verankert werden, weil Wellengang ihnen doch zu schaffen macht. Auf dem Plöner See, der bis zu 64 Meter tief ist, macht sich das übrigens ganz gut.

Am Ende war es für mich eine ruhige Meisterschaft mit keinem Protest, aber auf der Siegerehrung bedankte sich die Klasse mit einem speziellen Weinpräsent, weil ich ihnen die Meisterschaft „gesichert“ habe, denn laut DSV-Meisterschaftsordnung braucht man halt lizenzierte Schiedsrichter. Für den Arendsee'r Regattaverein 08 e. V. gab es übrigens einen Doppelsieg. Christian Stock/Sven Friedrich gewannen vor Florian Stock/Tobias Bathel. Die Deutschen Meister gewannen sechs von sieben Wettfahrten.

Zwei Wochen später durfte ich das Protestkomitee der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Finn-Dinghys leiten. Mit in meinem Team waren Stefan Ibold (NJ, Hannoverscher Yacht-Club e. V.), Max-Leopold Käther (NJ, Joersfelder Segel-Club e. V.), Heino Leja (NJ, Röbeler Segler-Verein „Müritz“), Bernd Mau (NJ, Schweriner Yacht-Club e. V.) und Utz Müller (NJ, Segelverein Neubrandenburg e. V.). Die Meisterschaft war mit 72 Booten aus vier Nationen gut besucht und natürlich im letzten Jahr des Olympiastatus etwas Besonderes.

Carsten Jansen hat hierüber sehr ausführlich berichtet („WVG ehrenamtlich unterwegs“). Was gibt es dem hinzuzufügen? Wir hatten die gesamte Woche auf allen Wettfahrten die Flagge „Oscar“, damit waren Pumping, Rocking und Ooching auf Halb- und Vorwindkursen freigegeben. Vor dem Start und auf der Kreuz ist jedoch – anders als zum Beispiel beim 470er – alles verboten, was nicht durch WR 42 erlaubt wird. Die Flaggenregelung mit „Oscar“ und „Romeo“ muss übrigens in den jeweiligen Klassenregeln stehen, deshalb gibt es das in der Piratenklasse nicht. Wir hatten die gesamte Woche keine gelbe Flagge zu vergeben…

Ein Protest am letzten Tag war wirklich kniffelig, denn ein Boot hatte beim Unterwenden an der Luvbahnmarke nicht nur ein anders Boot berührt, sondern auch noch die Bahnmarke und obendrein keine Strafe angenommen. Insgesamt hatte das Boot gegen fünf Regeln verstoßen und wir kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um unfaires Segeln und damit einen Verstoß gegen WR 2 handelte. Es gab eine nicht streichbare Disqualifikation (DNE), die aber keinen Einfluss auf Medaillen hatte.

Zu meiner persönlich 50. Deutschen Meisterschaft ging es an den Wannsee nach Berlin zum zweitältesten deutschen Segelverein, dem Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) von 1867. Hier wartet die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft der 29er Klasse mit 62 Teilnehmern aus Schweden, Dänemark, Polen und Deutschland. Es waren 15 Wettfahrten an vier Tagen mit bis zu fünf Wettfahrten pro Tag ausgeschrieben.

Weil die 29er als Jugendklasse viele Proteste erwarten lassen, wollte der VSaW eine Internationale Jury zusammenstellen, die aus Max-Leopold Käther (NJ, Deutschland), Dr. Rainer Kornfeld (IJ, Österreich), Vilmos Naráy (IJ, HUN) , Jens Villumsen (IJ, Dänemark) und mir bestand, wobei ich wieder mal Chairman sein durfte. Internationale Jurys sind nicht berufungsfähig.

Nach einer kurzen Arbeitswoche ging es also nach Berlin, wo Rainer und Jens – direkt angereist aus Warnemünde – schon zwei Tage lang warteten. Etwas später traf auch Vilmos aus Ungarn ein, der über Budapest und München nach Berlin flog. Max war leider krankheitsbedingt nicht dabei, aber die Internationale Jury darf unter diesen Umständen (WR Anh. N 1.5) auch mit weniger Personen besetzt sein.

Den 29er gibt es erst seit 1998. Beim 29er steht nur der Vorschoter im Trapez, während der Steuermann sitzend im Ausreitgurt hängt. Der 29er ist aufgrund seiner Form im Vergleich zu anderen Jollen schwerer aufrecht zu halten. Das ideale Gewicht der Crew liegt zwischen 100 und 145 kg, je nach Masse hat das Team einen Vorteil bei viel oder wenig Wind. Der 29er wurde extra für Einsteiger in den (Skiff-)Segelsport konzipiert. Er ist gegenüber dem Piraten oder der 420er Jolle vom Handling teilweise schwerer zu segeln, dafür aber wendiger und schneller – der Rekord liegt bei mittlerweile über 25 Knoten. Das Gennakersystem sowie die selbstwendende Fock erleichtern das Segeln. Auf Amwindkursen wird das Boot vom Vorschoter durch Gewichtstrimm und unter Einsatz des Trapezes aufrecht gehalten, der Steuermann steuert das Boot. Die Großschotführung ermöglicht dem Vorschoter auf der Kreuz das Großsegel zu bedienen, so dass dieser das Boot besser aufrecht halten kann. Auf Raumschot- und Halbwindkursen bedient der Vorschoter den Gennaker und der Steuermann übernimmt das Großsegel.

Nach einem Skippers- und einem Coachmeeting ging es bei mäßigem Wind auf den Wannsee. Das sommerwarme Wetter zog viele Fahrtensegler auf das Gewässer, sodass man eigentlich ständig irgendwelchen Booten ausweichen muss. Am Ende konnten wir immerhin drei der geplanten fünf Wettfahrten schaffen, bevor der Wind einschlief. Wir beteiligten uns am Schlepp in den Hafen und hatten obendrein noch einen Protest mit Wiedergutmachungsantrag. Danach nahmen wir die Einladung zum Wettfahrtleiter Robert Niemczewski nach Hause gerne an. Robert und ich kennen uns schon lange, denn meine erste Meisterschaft hier am Wannsee war 2013.

Nach einem schönen Abend ging am Tag der Deutschen Einheit später los, da eine Traditionsregatta verständlicherweise Vorrang hatte. Wir nutzten die Freizeit mit einer Bootstour rund um die „Insel Wannsee“ und Robert führte uns über den Kleinen und Großen Wannsee zu vielen interessanten Plätzen, an denen die Teilung Berlins durch das Wasser verlief. Schließlich fuhren wir auch unter der berühmten Glienicker Brücke hindurch, auf der zuletzt 1985 einer von drei Agentenaustauschs zwischen Ost und West stattfand.

Am späten Nachmittag hatten uns die Berliner Segler noch genügend Wind für vier Wettfahrten übrig gelassen und mit Sonnenuntergang kamen wir gerade noch in den Hafen. Die Segler waren offenbar müde, denn es gab nichts mehr zu verhandeln.

Am Montag war zunächst Warten angesagt, denn der Wannsee präsentierte sich spiegelglatt. Wir nutzten die Zeit und boten den Segler in Gruppen Regelkundeseminare an. So stellte ich mich 25 -30 29er-Seglern für 2 Stunden für allerhand Fragen zur Verfügung. Um 16:30 Uhr folgte dann „AP“ über „A“ und der Tag war gelaufen.

Am nächsten und letzten Tag wurde der Start um zwei Stunden nach vorne auf 9:00 Uhr verlegt. Regen und nur wenig Wind machten die Hoffnung auf fünf Wettfahrten zunichte. Immerhin eine Wettfahrt wurde fast pünktlich gestartet. Danach ließ mehr Regen den Wind endgültig zusammenbrechen und nur 8 der geplanten 15 Wettfahrten standen zu Buche. Deutscher Meister (auch in der U17‑Wertung!) wurden Anton und Johann Sach vom Lübecker Yacht-Club e. V., die in der letzten Wettfahrt noch Anna Barth und Alva Feilcke (Kieler Yacht-Club e. V.) abfingen.

Erwartungsgemäß hatten wir auch am letzten Tag keine Proteste mehr und so ging eine Meisterschaft, bei der wir eigentlich eine zweistellige Protestzahl erwartet hatten zu Ende. Meine letzte Regatta 2021 führt mich nun wieder auf den heimischen Inselsee zu Nebelbeil und Nebelwelle.

Jörn-Christoph Jansen

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