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Blaues Band vom Stettiner Haff 2022

von Carsten Jansen

Das traditionelle Blaue Band vom Stettiner Haff 2022 fand in diesem Jahr am 23. Juli wieder im Rahmen der Ueckermünder Hafftage statt. Zwei Jahre lang war diese Veranstaltung auf Grund von Corona und in dieser Zeit stattfindenden Umbauarbeiten des Ueckerparks ausgefallen, die Segelregatten fanden allerdings statt. Die Hafftage sind aus unserer Sicht ein Highlight und wenn man den Vergleich mit Güstrow und seinen Festivitäten zieht, um Längen voraus. Sicherlich einfacher in einer Urlaubsregion, aber man hat den Eindruck dort zieht man besser an den Strippen.

Unsere Crew traf im Laufe des Freitags pö a pö ein, nein stimmt nicht, Hansi war bereits seit Donnerstag vor Ort, und hatte an der „Morag“, dem Team vom Scharmützelsee, noch tatkräftig mitgebaut und getrimmt. Das machen wir schon seit Jahren immer mal wieder, weil uns das Engagement des Steuermannes der fast 80 Jahre alt ist, imponiert und uns, wie anderen auch, Respekt und Hochachtung abverlangt. Gutschi traf dann gegen 13:00 Uhr mit dem Kutter ein, ich eine Stunde später. Da war der Kutter schon abgeladen und lag in der Uecker am  Liegeplatz des gastgebenden Vereines. Kurzes Begrüßungsgetränk, dann Auftakeln, Hansi musste weiter an der „Morag“ bauen. Wir stellten die Masten, fädelten die Strippen ein und schlugen die Segel an. Abdecken und Feierabend. Dann trafen die Tütels ein. Der Abend wurde dann am Wohnmobilstellplatz zu einer kleinen Geburtstagsnachfeier von Tütels. Er holt auf…..ach ne, der Abstand bleibt ja gleich. So nach und nach trafen alle bekannten und weniger bekannten Kutterfreunde ein. Wie das so ist, man freut sich über jeden Konkurrenten und Freund der segelnden Kutterzunft. Corona schlägt hier und da noch zu, auch unschön, aber überlebt haben es wohl die Meisten, wenn auch mit Spätfolgen. Gunther und Volker sollten erst am nächsten Morgen zu uns stoßen, was dann auch glücklicherweise passierte. Nach dem schönen Feuerwerk und einigen schöngeistigen Pyratgetränken ging es dann in die Heia. Mein kleiner Quek ist mir immer wieder ein liebes Quartier, denn pennen kann ich darin super. Danke dafür!!

Am nächsten früh aus der Heia. Morgenwäsche und sonstige wichtigen Dinge erledigt. Ein sehr gutes Frühstück eingenommen. Allerdings nicht mehr so preiswert wie in der Vergangenheit, logisch wenn die Heizkosten steigen, müssen auch alle anderen Preise anziehen. An dieser Stelle ein Gruß an Herrn Lindner, den momentan Finanzgewaltigen Deutschlands, die Sportler sollten auch mit Sonderboni bedacht werden, denn auch die müssen leben und die Segel sind auch teurer geworden. Ach so wir bekommen ja schon den Sprit bedeutend billiger und je mehr du zum Segeln fährst, umso mehr kannst du einsparen. Hat schon mal jemand versucht mit einem 9 Euro-Ticket einen Kutter mitzunehmen? Soll nicht so einfach sein. Ich versuche es erst gar nicht.  Nach dem Frühstück sammeln, Segel setzen, Eröffnung, Steuermannsbesprechung, ach nee…richtig Steuermann*innen*frauen // usw. Besprechung. Das mit dem gendern ist prompt in die Hosen gegangen. Habe gerade in der Zeit gelesen, wissenschaftlich begründet: Es gibt nur zwei Geschlechter, da kann man erfinden was man will, es ist einfach so. Daran kann ich mich gut gewöhnen.

Kühles Wetter mit konstanten Winden um West, Windstärke anfangs 3 Bft, später auffrischend in Böen bis 5 Bft. Das verspricht ein schöner Segeltag zu werden. Wir segeln ohne Schlepperhilfe raus und sind ca. eine Stunde vor dem Start auf dem Haff. Ein immer wieder imposanter Anblick, ein tolles Segelrevier! Wir segeln uns warm. Wir, das sind dieses Mal Hansi am Quirl, Volker am Besan, Carsten am Groß, Gunther an der Genua und am Schwert, Tütel am Spi und der Genua und Gutschi im Vorschiff. Der Wind frischt auf, es wird noch kühler. Ölzeug an. Die Kutter sind dieses Mal in der Startfolge die Ersten (weil wir immer so spät ankommen hinter den Rennjachten….). Damit fehlt uns die Orientierung auf dem Haff. Gut beraten ist der der, der Navigationshilfen an Bord hat, denn die Entfernungen sind für uns Kleinseesegeler gewaltig.

Kurs: Start – Luvmarke – H5 – H3 – H4 – Ziel. Das ist der Tonnenstrich für die Ansteuerung der Karniner Brücke aus Richtung Ost bzw. des Seekanals Stettin aus Richtung West. Die H2 wurde ausgetonnt, wahrscheinlich aus Kostengründen. Das macht einen nachdenklich, denn die Dänen sind auch dabei ihre Schifffahrtszeichen massiv zu reduzieren, denn letztlich verfügen ja alle mehr oder weniger über moderne Navisysteme. Aber was passiert, wenn der Russe, oder der Ami ihre Systeme verfälschen, ach so wir haben ja jetzt ein europäisches (Galileo) …damals habe ich das für überflüssig gehalten, sozusagen wegschmätten Zaster in einer zusammenwachsenden friedlichen Welt, aber man lernt im Leben, auch negativ, leider nicht aus.

Am Start sind 18 Kutter. Orange wir pünktlich gesetzt, eine Minute vor der Ankündigung. Ich persönlich bevorzuge es Orange fünf Minuten vor der Ankündigung zu setzen, da haben die Aktiven mehr Zeit, sich einzustellen.

Vorbereitungsprocedere läuft, Start gelingt uns super. Wir ziehen in der Mitte raus. Unter uns „Cutty Sark“ und unsere „Nautilus“ (unsere alte „Teamwork", das Berliner Geschenk…). Über uns „Santa Fe“, „Resi“ aber ein Stück achteraus. Wir laufen gut, Luvmarke liegt unter Land, wir beschließen über Stag zu gehen, um die Landabdeckung zu vermeiden. Shit, „Nautilus“ und „Cutty Sark“ bekommen einen Kipper und können die Luvbahnmarke ohne Probleme anliegen. „Nautilus“ rundet als erster, kurz dahinter die „Cutty Sark“, haben einen schönen Vorsprung von ca. 150 bis 200 m. Wir runden als dritter, „Resi“ vierter, „Santa Fe“ fünfter. Die Spis gehen hoch, ein schönes Bild. Das Feld reiht sich auf, vor uns liegen ca. 5 sm bis zur H 5. Wir holen auf, „Cutty Sark“ geht an „Nautilus“ vorbei, „Resi“ holt auf. Nach ca. 45 min rundet „Cutty Sark“ mit kleinem Vorsprung als erster, „Nautilus“ als zweiter, wir als dritter, „Resi“ als vierter. Alle fast gleichauf. Wir fahren ein Stück in, der Asche, legen dann um, um uns frei zu segeln. Vielleicht ein wenig zu spät. Eklige stuckige Welle. Man hat zu tun den Kutter nicht feststampfen zu lassen. Gelingt nicht immer. Nach einigen 100 m gehen wir wieder auf Streckbug. Es läuft gut, die Abstände sind groß, aber scheinbar sind wir, die „Resi“ und das „Ösfass“ auf der Kreuze am schnellsten. Nach 60 min Kreuze nähern wir uns der H 3. Wir auf Streckbug mit Stbschoten, „Resi“ auf Holebug mit Bbbug. Wir passieren „Resi“ achtern, im Wissen, dass „Resi“ , wenn wir alles richtig machen, eine Wende mehr hat, das könnte uns einen Vorteil bringen. Wir fahren Überhöhe, fallen ab als wir einschätzen die Bahnmarke H 3 anliegen zu können. Und wir haben noch Glück, der Wind dreht für uns, lässt uns noch raumer laufen. Das „Ösfass“ knüppelt , „Resi“ muss abfallen, bekommt die Drehung negativ. Wir runden die H 3, Spi hoch. Wir kreuzen abwärts zur H 4 unter Spihalsen. Wir haben ca. 200 bis 300 m Vorsprung. Dat löppt! Zeit zum Essen fassen.  Nach ca. 20 min passieren wir die H 4 und segeln in Richtung Ziel, das vor der Mündung der Uecker liegt. Wir haben 1 min 40 sec Vorsprung vor der „Resi“. Wir segeln raumschots ohne Spi.  Irgendwann gehen hinter uns die Spis hoch, wir schauen uns das eine Weile an. Die Distanzen verkürzen sich, wir ziehen auch den Spi. Die Abstände bleiben gleich. Nach 3,5 h gehen wir als erster durchs Ziel. Wir sind überglücklich, endlich mal wieder ein Sieg. Wir klatschen uns ab, segeln in Richtung Hafen. An der Einfahrt der Uecker haben wir Glück, ein Dickschiff nimmt uns in Schlepp. Im Schlepp takeln wir ab.

Uns erwartet ein großes Ankommergetränk. Ein großer Dank an unsere Frauen und treuen Fans, Katja, die Tütelin und Ingrid!

Abtakeln, Verpacken, Schlepp zum Kranen, Verladen, Kutter abstellen. Gutschi wird den Kutter am Sonntag nach Teterow ziehen. Wir machen uns frisch, Siegerehrung soll um 19:30 Uhr auf der Hauptbühne im Ueckerpark stattfinden. Wir machen uns pünktlich auf den Weg. Alle Mannschaften werden geehrt, wir sind als erster zum Schluss dran und nehmen vor einigen 100 Zuschauern das Blaue Band vom Stettiner Haff 2022 in Empfang. Danach noch eine Pilzpfanne, einmal Riesenrad und ab zum Quartier. Gute Nacht Getränk und ab in die Heia. Sonntagmorgen frühes Aufstehen, 7:30 Uhr Frühstück, Abschied nehmen von der Konkurrenz und ab nach Hause. 144 km auf der Landstraße durch das schöne MV liegen vor mir. In Ungarn geht auch was für unseren Verein, wir sind auf dem Laufenden. Trotzdem habe ich das Empfinden, es segeln in unserem Verein zu Wenige oder täusche ich mich?

Es schreiben auch zu wenige über die Regattateilnahmen. Gerade bei Vereinsbooten ist das doch ein ungeschriebenes Gesetz. Nur mit WhatsApp und toll toll Daumen hoch und sonstige Icons bekommt die Masse unserer Mitglieder keine Informationen über das wichtigste Element unserer Satzung, DAS SEGELN

Wie sieht unsere Zukunft aus? Fragen über Fragen, die hoffentlich nicht nur ich mir auf dieser einsamen Heimfahrt stelle.

Goode Wind für die Zukunft wünscht die „Teamwork“!

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